Der Vogelbestand schwindet, die Bienen sterben, der Frühling bleibt stumm. Berichte dieses Tenors hat es in den vergangenen Wochen viele gegeben. Der Rückgang der Insekten und Vögel ist eng mit landwirtschaftlichen Monokulturen und dem Einsatz von Pestiziden aller Art verknüpft. Das Umweltbundesamt kommt in einer Stellungnahme aus diesem Frühjahr zu dem Ergebnis, dass das Ausbringen der Mittel „zahlreiche Risiken für die Umwelt einschließlich der biologischen Vielfalt“ berge. Die Biodiversität in der Agrarlandschaft nehme weiter ab. Dessen ungeachtet sei „der Absatz von Pflanzenschutzmitteln in den letzten Jahren weiter angestiegen“.

Diesen Befund bestätigt nun die Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünenfraktion im Bundestag in erschreckendem Umfang. Danach stieg die Gesamtmenge der in Deutschland ausgebrachten Pflanzschutzmittel zwischen 2009 und 2015 um rund 4600 auf 34.700 Tonnen. „Wenn immer mehr giftige Pestizide auf unsere Äcker gespritzt werden, darf sich niemand wundern, wenn Schmetterlinge, Bienen und Lerchen verschwinden“, sagte Fraktionsvize Oliver Krischer der Berliner Zeitung. Der Grünenpolitiker machte für den steigenden Herbizid-Einsatz die Regierung verantwortlich: „Jahr für Jahr nimmt der Einsatz von giftigen Pflanzenschutzmitteln in Deutschland zu. Das ist das Ergebnis einer Landwirtschaftspolitik der Bundesregierung, die ohne Rücksicht auf Verluste auf industrielle Massenproduktion setzt.“

Weniger Vögel und Bienen

Dass die Zahl der in Deutschland lebenden Vögel seit Jahrzehnten zurückgeht, ist unstrittig. So stellte der Naturschutzbund Nabu in seiner Winterzählung einen um 17 Prozent geringeren Vogelbestand gegenüber den Vorjahren fest. Die Bundesregierung gibt für den Zeitraum von 1980 bis 2010 einen Rückgang der Brutpaare in Deutschland um 57 Prozent an. Von manchen einst weit verbreiteten Arten wie Kiebitz, Feldlerche, Braunkehlchen und Uferschnepfe verschwanden sogar 61 bis 84 Prozent der Tiere.

Für Insekten sieht es nicht besser aus. Untersuchungen an 88 Standorten in ganz Nordrhein-Westfalen, die der Entomologische Verein Krefeld zwischen 1989 und 2014 durchgeführt hatte, ergaben einen Schwund der Fluginsekten um bis zu 80 Prozent. Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur EEA brach der Bestand von 17 in Europa beheimateten Schmetterlingsarten zwischen 1990 und 2011 um die Hälfte ein. Nach Schätzungen des BUND haben 50 Prozent der Bienenvölker den vergangenen Winter nicht überlebt. Der Verband spricht von einem „stillen Artensterben“ und macht dafür ebenfalls zu allererst Insekten- und Pflanzengifte aus der Landwirtschaft verantwortlich.

Daraus ergibt sich aus Sicht der Grünen dringender politischer Handlungsbedarf. So fordert Krischer für das umstrittene Pflanzengift Glyophosat, dessen EU-Zulassung in Brüssel demnächst um bis zu 15 Jahre verlängert werden soll, einen Verkaufsstopp: „Wir brauchen endlich eine Landwirtschaftspolitik, die den Gifteinsatz reduziert und den Teufelskreislauf von Dosis und Wirkung durchbricht. Gesunde Nahrungsmittel und eine intakte Natur gibt es nur mit weniger Giften in der Landwirtschaft.“