Paris - Vor dem Fast-Food-Lokal in Guingamp in der Bretagne steht zwar eine Palme, doch im Inneren herrscht keine Urlaubsstimmung. Die Direktorin schuftete sich jedenfalls halb zu Tode. Wie die 33-jährige Frau vor dem lokalen Gericht ausführte, arbeitete sie doppelt so lang, wie es in Frankreich das Gesetz vorsieht – ohne jemals für die Überstunden entlohnt zu werden. „Ich arbeitete regelmäßig von acht Uhr morgens bis Mitternacht, und das während sieben Tagen in der Woche“, erzählte die ehemalige Leiterin der Imbissstätte vor Gericht.

Der unbezahlte Frondienst dauerte vier Jahre lang, wobei die Frau nach eigenen Worten einem enormen Druck ausgesetzt gewesen sei. Im Jahr 2010 musste sie wegen Burn-outs aufhören. Laut der Anwältin der Gewerkschaft CFDT hatte die diagnostizierte Depression einzig Jobgründe. Heute arbeitet die Ex-Direktorin, die bei McDonald’s 1999 als Verkäuferin begonnen hatte, in einem anderen Unternehmen.

253.000 Euro Schadenersatz

Das bretonische Arbeitsgericht gab der Frau in allen Punkten recht. Der lokale Franchise-Nehmer von McDonald’s muss ihr 253.000 Euro Schadenersatz zahlen. Die erkleckliche Summe besteht vor allem aus der Nachzahlung für geleistete Überstunden. Der verurteilte Geschäftsmann, der in der Bretagne vier McDonald’s-Ableger führt, kündigte Berufung an.

Der Mutterkonzern McDonald’s nahm zu dem Urteil vorerst keine Stellung, offenbar bemüht, die Verantwortung auf den Franchise-Nehmer abzuschieben.

Um einen betriebsinternen Einzelfall handelte es sich aber mitnichten: Vor zwei Jahren war der Fast-Food-Konzern schon einmal in Japan zur Nachzahlung für Überstunden in Höhe von umgerechnet 50.000 Euro verurteilt worden. Ebenfalls in Japan war eine 41-jährige Japanerin an Hirnblutung gestorben – laut den Behörden ebenfalls wegen Überarbeitung.