Wirtschaftsforscher haben uns die Erkenntnis beschert, dass Geringverdiener und Besserverdiener eins gemeinsam haben: Viele von ihnen arbeiten extrem lange, oft mehr als 50 Stunden in der Woche. Die Motive sind freilich höchst unterschiedlich. Niedriglohn-Beschäftigte rackern sich ab, damit sie eigenständig leben können und nicht auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Vielen dieser Menschen würde ein Mindestlohn helfen. Wer allerdings eine Familie ernähren muss, wird auch mit einem Mindestlohn kaum über die Runden kommen. Was ihnen helfen würde: Wenn Menschen, die staatliche Hilfe beziehen, nicht stigmatisiert werden.

Einige Besserverdiener leisten jede Menge Überstunden, weil sie Freude an ihrer Arbeit haben. Andere würden gern früher nach Hause zu ihrer Familie gehen, Freunde treffen oder was auch immer. Sie tun es nicht der Karriere wegen oder weil sie in einem Unternehmen arbeiten, in dem immer noch die Losung gilt: Ein guter Mitarbeiter schaut nicht auf die Uhr und ist allzeit einsatzbereit. Diese Firmenkultur mag gut fürs Unternehmen sein. Für die Menschen und die Gesellschaft ist sie schädlich. Wer extrem lange arbeitet, schadet seiner Gesundheit. Wenn er nicht mehr kann, schafft es die Firma vielleicht, ihn loszuwerden. Ihm bleiben seine Leiden, und der Gesellschaft die Kosten für Krankheit, Frührente oder Arbeitslosigkeit.