Der Einsatz von präparierten Schaufensterpuppen zum Ausspionieren von Kunden in Modegeschäften stößt in der Politik auf scharfe Kritik. Das Verbraucherschutzministerium erklärte, eine heimliche Überwachung in Kaufhäusern sei in Deutschland ohnehin unzulässig. Aber auch für eine gekennzeichnete Überwachung durch Schaufensterpuppen sieht das Ministerium keinerlei Akzeptanz. Ein Sprecher sagte: „Wer seine Kunden mit solch einschneidenden Maßnahmen überwacht, hat nicht einmal ein Mindestmaß an Sensibilität für die Privatsphäre seiner Kunden.“

Auch eine Hinweispflicht für die Überwachung würde das Problem nicht beheben, sagte Nicole Maisch, Sprecherin für Verbraucherschutz bei der Grünen-Bundestagsfraktion. Die einzige Möglichkeit, sich der Ausspionage zu entziehen, bestünde durch Vermummung oder das vollständiges Meiden von Shopping-Centern. „Konsumenten sollten jedes Unternehmen, das solche Praktiken anwendet, boykottieren.“

Big Business gleich Big Brother?

SPD-Datenschutzexperte Gerold Reichenbach sieht das Vorgehen der Modeketten als Beleg dafür, dass Big Business sich immer mehr als Big Brother gebärde. „Konzerne setzen verstärkt Überwachungstechnologien ein, um in ihrem Geschäftsinteresse die Kunden bestmöglich zu manipulieren.“ Jan Korte von der Linksfraktion befundet, der Einsatz der Spezialpuppen müsse bekämpft werden, weil die Privatsphäre sonst immer mehr zu einer Ressource wie ein beliebiger Kartoffelacker zu werden drohe.

Der Verband der deutschen Einzelhändler verteidigte dagegen den Einsatz der mit Gesichtserkennungssoftware präparierten Spezialpuppen. Stefan Hertel, Sprecher des Handelsverbands Deutschland, sagte: „Der Einsatz von Spezialpuppen mit Kameras ist unserer Auffassung nach zulässig – unter der Voraussetzung, dass der entsprechende Bereich klar gekennzeichnet ist“. Die Puppen sollen nach Herstellerangaben in mehreren europäischen Ländern, nicht aber in Deutschland eingesetzt werden.