Immer mehr Banken und Sparkassen verlangen von ihren Kunden ein Verwahrentgelt, wenn diese Geld auf dem Konto parken. Bei einigen Instituten werden bereits ab 5000 Euro oder weniger die sogenannten Negativzinsen fällig. Kunden können eine solche Forderung zwar ablehnen – für bestehende Konten ist das Erheben von Verwahrentgelten zustimmungspflichtig. Allerdings drohen einige Banken mit der Kündigung, wenn eine solche Vereinbarung nicht akzeptiert wird. Einige Banken und Sparkassen bieten ihren Kunden auch an, das Geld umzuschichten, beispielsweise in Investmentfonds oder Rentenversicherungen, um so den Negativzinsen zu entgehen.

Die Verbraucherzentrale Berlin warnt aktuell vor diesen Anlageprodukten, die Banken und Sparkassen ihren Kunden anbieten. „Die angebotenen Produkte sind oft nicht bedarfsgerecht, zu unflexibel und überdies vielfach mit weitaus höheren Risiken verbunden als die bisher sicheren Einlagen“, so Volker Schmidtke von der Verbraucherzentrale Berlin. Gerade für ältere Menschen, die flexibel über das Geld verfügen wollen und müssen, könne das zum Problem werden.

Negativzinsen: Viele Punkte rechtlich noch nicht geklärt

„Die Geldinstitute nutzen die Drohkulisse Verwahrentgelt und jüngst auch die hohe Inflationsrate, um den Ratsuchenden Anlageprodukte wie zum Beispiel private Rentenversicherungen zu verkaufen, für die sie hohe Provisionen erhalten“, sagt Schmidtke. Auch an anderen Produkten wie Investmentfonds verdienen die Geldinstitute Ausgabeaufschläge und jährliche Bestandsprovisionen.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hält Negativzinsen auf Giro- und Tagesgeldkonten von Verbrauchern grundsätzlich für unzulässig. Allerdings sind viele Punkte rechtlich noch nicht geklärt.

Für diejenigen, die Verwahrentgelte umgehen wollen, kann auch ein Bankenwechsel eine Alternative sein. Noch gibt es Banken in Deutschland, die keine Gebühren erheben – auch wenn es immer weniger werden. Nach einer aktuellen Erhebung des Vergleichsportals Verivox erheben inzwischen 449 von rund 1300 Banken und Sparkassen Negativzinsen ab bestimmten Summen auf dem Tagesgeld- oder Girokonto.