Berlin - Mal sind es nur 155 Euro, wie in der in der ostdeutschen Landwirtschaft; mal fällt das Urlaubsgeld mit 2.355 Euro recht üppig aus, wie in der westdeutschen Holz- und Kunststoffverarbeitung.

Die Bandbreite der Urlaubsgeldhöhe ist beträchtlich, zumal genau 50 Prozent der Beschäftigten überhaupt keine gesonderte Zahlung erhalten. Dies geht aus einer Auswertung hervor, die die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung auf Basis einer Online-Befragung mit mehr als 28.000 Teilnehmern zum Start der Haupturlaubssaison erstellt hat.

Auszahlung von Betriebsgröße abhängig

Für die Frage, ob Urlaubsgeld gezahlt wird oder nicht, sind mehrere Faktoren maßgeblich, etwa die Betriebsgröße. So erhalten 65 Prozent der Beschäftigten in größeren Unternehmen mit mehr als 500 Angestellten Urlaubsgeld, bei den kleinen mit bis zu 100 Beschäftigten sind es nur 38 Prozent der Arbeitnehmer.

Auch der Standort des Unternehmens spielt eine Rolle. Im Westen erhalten 52 Prozent der abhängig Erwerbstätigen die Leistung, im Osten einschließlich Berlins sind es nur 36 Prozent. Maßgeblich aber ist die Tarifbindung der Betriebe: Während in tarifgebundenen Unternehmen 71 Prozent der Beschäftigten Urlaubsgeld erhalten, sind es in nicht gebundenen nur 38 Prozent. „Der mit Abstand wichtigste Faktor ist die Frage, ob im Unternehmen ein Tarifvertrag gilt oder nicht“, resümiert Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Archivs der Böckler-Stiftung.

Tarifbindung und Branche ausschlaggebend

Ablesbar wird dies auch an den 22 Einzelbranchen, für die das WSI die Urlaubszahlungen in Ost und West ermittelt hat. In Industriezweigen mit hoher Tarifbindung und starken Gewerkschaften gibt es weitaus häufiger Urlaubsgeld als etwa im Dienstleistungssektor. So erhalten fast zwei Drittel der Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe (also etwa in der Autoindustrie und im Maschinenbau) die Leistung, aber nur ein Viertel der im Gesundheits- und Sozialwesen Tätigen.  Die Bereiche „sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen“  (etwa Reinigungsarbeiten) und Gastgewerbe landen mit Anteilen von 28 und 34 Prozent ebenfalls weit unten.

Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist aber nicht allein die Frage interessant, ob, sondern wie viel Urlaubsgeld sie erhalten. Auch hier sind die Unterschied enorm. An der Spitze liegen Holz- und Kunststoffverarbeitung mit 2.355 Euro im Westen und 1.435 im Osten für die mittleren Lohngruppen, gefolgt von der Metallindustrie (2.235 Euro West und 1.983 Euro Ost), der Papierverarbeitung (2.210/2.054) und der Druckindustrie (1.874/ 1.980).

Landwirtschaft zahlt am wenigsten Urlaubsgeld aus

Am Ende der Tabelle liegt die Landwirtschaft mit 225 Euro im Westen und 155 Euro im Osten. Im Hotel- und Gaststättengewerbe wird mit Urlaubsgeldern von 240 und 190 Euro nur unwesentlich mehr gezahlt. Zu beachten ist, dass in einigen Bereichen wie zum Beispiel dem Öffentlichen Dienst und in der Stahlindustrie kein gesondertes Urlaubsgeld gezahlt, sondern mit dem Weihnachtsgeld zu einer Jahressonderzahlung zusammengefasst wird.

Frauen erhalten seltener Urlaubsgeld als Männer

Dass Frauen mit einem Anteil von 41 Prozent weitaus seltener Urlaubsgeld erhalten als Männer (54 Prozent), kann vor dem Hintergrund all dieser Daten kaum überraschen. Frauen arbeiten häufiger im Dienstleistungssektor und in kleineren Betrieben als Männer, im Sozial- und Gesundheitswesen sind sie stark überrepräsentiert, für Industrieunternehmen gilt das Gegenteil. Zudem liegt der Anteil der erwerbstätigen Frauen (Frauenerwerbsquote) in den ostdeutschen Ländern, wo seltener und weniger Urlaubsgeld gezahlt wird, höher als in den westdeutschen.

Daher konnten sie auch nicht im gleichen Umfang von Urlaubsgelderhöhungen profitieren wie die Männer, obwohl in immerhin elf der 22 untersuchten Branchen das Urlaubsgeld gegenüber dem Vorjahr zwischen 1,0 und 4,7 Prozent angehoben wurde. Im Bauhauptgewerbe stieg das Urlaubsgeld für gewerbliche Arbeitnehmer sogar um 30 Prozent. Ausgerechnet dort sind Frauen allerdings die absolute Ausnahme.