Berlin - Deutschlands oberste Umweltschutz-Behörde hält die Gewinnung von Erdgas mithilfe der umstrittenen Fracking-Technologie auf absehbare Zeit für nicht verantwortbar. „Solange sich wesentliche Risiken dieser Technologie noch nicht sicher vorhersagen und damit beherrschen lassen, sollte es in Deutschland kein Fracking zur Förderung von Schiefer- oder Kohleflözgas geben“, sagte die Präsidentin des Umweltbundesamtes (UBA), Maria Krautzberger, am Mittwoch in Berlin. Notwendig seien „enge Leitplanken“ zum Schutz der Umwelt und der Gesundheit.

Mit ihren Einlassungen unterstützt die Behörde im Grundsatz den Kurs von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel sowie Umweltministerin Barbara Hendricks (beide SPD), die unlängst ihre Überlegungen für ein Fracking-Gesetz präsentiert hatten und hohe Auflagen für den Einsatz der Technologie planen. Die Eckpunkte der beiden Minister sollten rasch in geltendes Recht umgewandelt werden, verlangte UBA-Präsidentin Krautzberger. „Wir haben bisher keine klaren gesetzlichen Vorgaben für die Fracking-Technologie. Diesen äußerst unbefriedigenden Zustand sollte der Gesetzgeber schnell beenden.“

Beim Fracking wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in tiefe Gesteinsschichten gepresst. Diese brechen dann auf und geben Erdgas frei, das sich mit normalen Bohrungen nicht fördern lässt. Die Umwelt-Risiken des Frackings gelten als beträchtlich, insbesondere im Hinblick auf das Grundwasser. In den USA wird die Technologie seit einigen Jahren im großen Stil eingesetzt, was das Land weitgehend unabhängig von Energie-Importen gemacht hat.

Grüne wollen generelles Fracking-Verbot

Unter dem Eindruck der Ukraine-Krise und angesichts der hohen Abhängigkeit Deutschlands von russischem Erdgas wird auch hierzulande der Ruf nach einer systematischen Schiefergas-Gewinnung lauter. Strittig ist aber nicht nur die Technologie an sich, sondern auch die Frage, welchen Beitrag Schiefergas überhaupt zur Versorgungssicherheit leisten könnte.

Das UBA empfiehlt in einer Studie, sämtliche Fracking-Vorhaben zur Gas- und Erdölförderung genau auf mögliche Umweltrisiken zu überprüfen. Dies müsse auch für alle Probe-Untersuchungen gelten. In Wasser- und Heilquellenschutzgebieten sowie in Einzugsgebieten von Seen, Talsperren und Naturschutzgebieten müsse Fracking ausnahmslos verboten werden. Die Behörde weist auch darauf hin, dass die Aufarbeitung der rückfließenden Fracking-Flüssigkeit bisher ein großes Problem darstellt. Dieser sogenannte Flowback enthalte neben den verwendeten Chemikalien „weitere, zum Teil giftige Substanzen aus dem Untergrund“, etwa Schwermetalle und teilweise sogar radioaktive Substanzen.

Die Minister Gabriel und Hendricks hatten in ihren Anfang Juli bekannt gewordenen Eckpunkten geschrieben, dass es in der Bundesrepublik auf absehbare Zeit kein Fracking zu wirtschaftlichen Zwecken geben werde. „Gleichzeitig schließen wie es aber nicht für alle Ewigkeit aus, sondern ermöglichen eine sorgfältige Untersuchung möglicher Auswirkungen auf die Umwelt und den Untergrund, da bislang keine Erfahrungswerte in Deutschland vorliegen.“ Oberhalb von 3 000 Metern soll die Gasgewinnung aus unkonventionellen Lagerstätten grundsätzlich verboten werden. Geplant ist eine Änderung des Wasser- und des Bergrechts. Das Bundeskabinett soll die Regelungen nach der Sommerpause verabschieden.

Die Grünen im Bundestag nahmen die UBA-Studie zum Anlass, erneut ein generelles Fracking-Verbot in Deutschland zu fordern. Das Gutachten zeige, dass Fracking eine Technologie mit hohen Risiken bleibe, sagte die energiepolitische Sprecherin Julia Verlinden. Ziel der Energiewende müsse es sein, fossile Energieträger wie Gas und Öl konsequent durch Erneuerbare und Energiesparen zu ersetzen.