Der Strom wird im neuen Jahr für Millionen von Haushalte wieder teurer. Das hat einen besonderen Grund. Ein Posten in der Stromrechnung schlägt besonders stark durch. Netznutzungsentgelte werden vielfach massiv heraufgesetzt. Es handelt sich dabei um eine Gebühr, die Verbraucher dafür zahlen müssen, dass Leitungen genutzt werden, um elektrische Energie vom Kraftwerk ins Haus zu liefern. Die Strommaut ist höchst umstritten. Experten und Politiker fordern vehement eine Reform.

Das Netzentgelt ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und macht inzwischen den zweitgrößten Einzelposten in der Stromrechnung mit einem Anteil von fast einem Viertel aus. Es liegt derzeit im Schnitt bei 6,7 Cent pro Kilowattstunde. Wobei der Durchschnittswert nur eine bedingte Aussagekraft hat. Denn es gibt bundesweit mehr als 900 Netzgebühren – so viele, wie es lokale Verteilnetze gibt, die häufig von Stadtwerken betrieben werden.

Keine Wahl bei Netzbetreibern

Die Krux bei den Entgelten: Der Kunde kann sich zwar einen Stromlieferanten suchen. Hier herrscht inzwischen große Konkurrenz. Aber beim Netzbetreiber hat er keine Wahl. Die Infrastrukturen zum Transport der Energie sind regionale Monopole.
Um fehlenden Wettbewerb zu kompensieren, werden die Betreiber von der Bundesnetzagentur (BNetzA) überwacht.

Wer die Gebühr erhöhen will, muss einen Antrag stellen. Hauptfaktor sind dabei die Kosten für Investitionen in neue Leitungen. Da es hier große Unterschiede gibt, ist die Spanne bei den Entgelten extrem groß. Sie liegt zwischen 2,55 Cent und 9,91 Cent pro Kilowattstunde. Nicht selten sind heftige Sprünge von einem Jahr zum anderen – das passiert immer dann, wenn größere Projekte in Rechnung gestellt werden.

Osten und Dörfer besonders betroffen

Die Folge der Zersplitterung? „Das ist ineffizient und behindert die Energiewende“, sagt Stefan Harder, Geschäftsführer des bundesweit aktiven Stromhändlers E-Vita. Der Hintergrund: In ländlichen Gebieten sind Netzentgelte höher als in Städten, da in den Dörfern weniger Kunden an einem Kilometer Stromleitung hängen. Hinzu kommt, dass im Osten der Republik die Netznutzung besonders teuer ist, da dort in den vergangenen Jahren viel ausgebaut wurde. Für Harder jedenfalls sind die Differenzen und die schwer vorhersehbaren massiven Erhöhungen kontraproduktiv: „Sie erschweren die Geschäfte aller Stromhändler und bremsen die Marktdynamik.“

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum die Entwicklung in den kommenden Jahren noch weiter verstärkt und weshalb jetzt eine größere Transparenz gefordert wird.