Vorbildlich fährt die neue Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger, nach Möglichkeit mit dem Fahrrad zum Dienst. Sie warnt vor neuen Braunkohle-Tagebauen und fordert einen neuen Anlauf zur Ökosteuer.

Frau Krautzberger, seit Mai sind Sie Präsidentin des Umweltbundesamtes. Welche Prioritäten setzen Sie?

Die wichtigste muss man gar nicht setzten, die ist gesetzt. Der Klimaschutz steht ganz oben. Egal, ob das Thema in der Öffentlichkeit gerade besondere Aufmerksamkeit erfährt, weil es eine Jahrhundert-Flut gibt, oder nicht. Die Welt muss es schaffen, unter dem Zwei-Grad Limit der globalen Erwärmung zu bleiben, sonst wird es ungemütlich. Und Deutschland muss seine Rolle als Vorreiter und Modell für andere Staaten behalten, auch wenn es ein schwieriger Weg ist.

Und die zweite Priorität?

Es wird noch viel zu wenig beachtet, dass unsere Ressourcen immer knapper und teurer werden und mit dem Abbau von Rohstoffen erhebliche Umweltbelastungen einher gehen. Der Ressourcenschutz ist daher auch ein zentrales Thema im 21. Jahrhundert. Nehmen Sie zum Beispiel die Seltenen Erden, ohne die unsere Handys und Computer nicht funktionieren – oder auch die Windkraftanlagen. Zugespitzt: Ohne Ressourcenschutz kein Klimaschutz. Die Ressourcennutzung ist außerdem mit vielen Umweltbelastungen über die gesamte Wertschöpfungskette verbunden – von der Entnahme, über die Produktion, den Konsum bis zum Recycling. Auch soziale Probleme wie Kinderarbeit in Minen, kriegerische Auseinandersetzungen um Ressourcen muss man im Auge haben.

Der Vorreiter Deutschland droht, sein selbst gesetztes Klimaziel zu verpassen. Der CO2 -Ausstoß steigt seit zwei Jahren wieder, es werden Rekordmengen Kohle verbrannt...

Das Ziel, den CO2 -Ausstoß um 40 Prozent bis 2020 gegenüber dem Basisjahr 1990 zu senken, kann noch erreicht werden. Allerdings ist es nur mit einer „Stromwende“ nicht zu schaffen. Es muss viel mehr passieren: vor allem bei der Wärmesanierung der Gebäude. Auch der Verkehrsbereich muss endlich liefern.

Selbst die Stromwende wird gebremst. Der Ausbau der Solarenergie ist in diesem Jahr stark eingebrochen, und auch der Windkraft-Ausbau könnte abstürzen, weil das neue EEG die Vergütungssätze rückwirkend kappt.

Da sehe ich nicht so schwarz. Der Solarstrom ist, weil er so billig geworden ist, ein Selbstläufer, und auch bei der Windkraft gibt es noch große Potenziale. Sollte der geplante Ausbau wider Erwarten nicht erreicht werden, müsste die Förderung wieder verbessert werden.