Berlin - Bundesumweltminister Peter Altmaier rechnet mit einer atemberaubenden Explosion der Stromkosten in den kommenden Jahrzehnten. Ohne Gegenmaßnahmen könnten sich die Kosten der Energiewende bis 2040 auf eine Billlion - also tausend Milliarden - Euro belaufen, sagte Altmaier der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

"Wenn wir nichts dagegen tun, werden wir diese Größenordnung erreichen", sagte der CDU-Politiker. Er verglich die Belastung für die kommenden Generationen mit dem Anstieg der Staatsverschuldung, die über Jahrzehnte nicht ernst genommen worden sei.

Detailliert rechnete Altmaier vor, wie sich die Kostenlawine zusammensetzt. Er gehe davon aus, dass allein für die Einspeisevergütung bis zum Jahr 2022 Zusagen von rund 680 Milliarden Euro gemacht würden. Hinzu kämen dann noch die Kosten für den Netzausbau, für die Sicherstellung der Reservekapazitäten, für Forschung und Entwicklung bis hin zur Elektromobilität und energetischen Gebäudesanierung.

Große Reform nach der Wahl

Altmaier nutzte das Interview, um intensiv für seinen Vorschlag für eine Strompreisbremse zu werben. Die Absenkung der Einspeise-Vergütung würde innerhalb von 20 Jahren eine Ersparnis von 200 Milliarden Euro bringen. Dieser Preisdruck werde zudem dazu führen, dass die erneuerbaren Energien schneller Marktreife erlangten. Es werde interessanter, Strom zu Eigenverbrauch zu produzieren. Das wiederum würde dazu führen, dass in Deutschland weniger Reservekapazitäten gebraucht würden. Im Ergebnis ließen sich dadurch noch einmal 100 Milliarden Euro sparen.

Der Umweltminister kündigte auch an, er wolle nach der Bundestagswahl eine große Reform der Energieversorgung vorlegen. Die Widerstände seien aber groß. "Die Energiewende hat eine solche Breite gewonnen, dass jede Veränderung viele Besitzstände bedroht", sagte Altmaier. Von der Industrie über die Landwirtschaft hin bis zu privaten Investoren gebe es eine Vielzahl von Beteiligten, die allesamt ihre Besitzstände verteidigten. Im Vergleich dazu sein eine Gesundheitsreform ein Kinderspiel, weil man es dort nur mit den Beteiligten im Gesundheitswesen zu tun habe.

Vorerst kein Fracking in Deutschland

Altmaier wehrte sich gegen den Vorwurf, er wolle durch die Strompreisbremse den Ausbau der erneuerbaren Energien abwürgen. "Ich will nicht weniger Windräder, ich will billigere Windräder", sagte der CDU-Politiker. "Deshalb senken wir die Vergütung."

Auch zum hochumstrittenen Fracking, der Ausbeutung von Schiefer-Erdgas in großer Tiefe, nahm Altmaier in dem FAZ-Interview Stellung. Er werde gemeinsam mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler ein Gesetz vorlegen, das Fracking in Trinkwasser-Schutzgebieten verbiete und im übrigten Umweltverträglichkeitsprüfungen vorschreibe, kündigte der Umweltminister an. "Derzeit sehe ich nirgendwo in Europa die Vertretbarkeit von Fracking", fügte er hinzu. "Das gilt auch für Deutschland."