Nabu-Chef Friedhelm Schmitz-Jersch im "Tesla-Wald"
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter

Wegen der anstehenden Ansiedlung der sogenannten Gigafactory des US-Elektroautobauers Tesla hat sich nun der Naturschutzbund (Nabu) mit einem Offenen Brief an Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) gewandt. Die Naturschutzorganisation fürchtet massive Auswirkung auf die Region rund um den Standort Grünheide und fordert die Regierung auf, die absehbaren „Folgewirkungen“ der Ansiedlung zu bearbeiten und zu steuern.

Nabu-Landeschef Friedhelm Schmitz-Jersch schreibt, es seien erhebliche Verkehrsbelastungen und Zuzug zu erwarten. Für die Bürgerinnen und Bürger sei nicht sichtbar, wie die zu erwartenden Auswirkungen angegangen und gesteuert werden. „Die Menschen in der Region wollen aber wissen, welche Folgen die Ansiedlung auf ihre Lebensverhältnisse hat“, heißt es.

Investition von vier Milliarden Euro

Der Tesla-Konzern will bei Grünheide für angeblich vier Milliarden Euro seine erste europäische Fabrik bauen, dort bis zu 9.000 Arbeitsplätze schaffen und bis zu 500.000 Elektroautos pro Jahr bauen. Der Potsdamer Landtag hat den Verkauf des bislang landeseignen Grundstücks für knapp 41 Millionen Euro zugestimmt, auch der Tesla-Vorstand hat am Wochenende dem Deal zugestimmt.

Der Bau soll noch in diesem Jahr beginnen, dafür müssen auf dem 300 Hektar Grundstück bis Anfang März, bis Anfang der Vegetationsperiode, 159 Hektar Kiefernforst gefällt werden. Derzeit wird in dem Gebiet nach Altmunition aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht.

Der Nabu hebt hervor, dass die Region großflächig durch die Verordnung über das „Landschaftsschutzgebiet Müggelspree-Löcknitzer Wald- und Seengebiet“ geschützt sei. „Wir fordern deshalb, dass für die Steuerung der weiteren Entwicklung eine interministerielle Arbeitsgruppe gebildet wird. Der politische Gestaltungswille der Landesregierung muss sich auch in der Steuerung der Folgewirkungen im Interesse der dort lebenden Menschen zeigen“, sagte Schmitz-Jersch.

Die Kommunen sollen Konzepte erarbeiten

Besondere Bedeutung besitze die Lenkung der Entwicklung auf kommunaler Ebene. Dafür bietet sich die Erarbeitung von Ortsentwicklungskonzepten an. Diese enthalten Leitbilder und Konzepte für die Entwicklung des Ortes und sind das Ergebnis der Zusammenarbeit von Bürgerinnen und Bürgern, kommunalen Vertretern und externen Stadtplanern. Meist würden die Bereiche Wohnen, Gewerbe, Verkehr, Infrastruktur, Erholung und Natur bearbeitet. Normalerweise beauftragen die Kommunen dazu Planungsbüros. Diesen Aufwand sollte das Land ausdrücklich fördern, fordert der Nabu.