Gesichtsmasken zum Schutz gegen Qualm sind Mangelware in Singapur. McDonald’s stellte wegen der schlechten Luft im Stadtstaat seinen Hauslieferungsdienst ein. Die Einschränkung des Junkfood-Konsums ist freilich dieser Tage die einzige gute Nachricht für die Gesundheit der Bürger des südostasiatischen Stadtstaates. Denn die Bewohner der Insel sowie von Teilen des Nachbarlandes Malaysia husten und würgen seit Beginn dieser Woche wie zuletzt vor 16 Jahren. Der „Haze“, der Qualm von 138 Brandrodungen im benachbarten Indonesien, taucht die ganze Region in stinkenden Rauch. Selbst in vollklimatisierten Räumen Singapurs riecht es, als ob Dutzende von Rauchern an Glimmstängeln saugen.

Alle Jahre wieder zündeln die Betreiber von Ölpalmplantagen, deren Ernte später für umweltfreundlichen Treibstoff genutzt wird, während der Trockenzeit in der indonesischen Provinz Riau auf Sumatra, als ob es keine Gesetze gegen Brandrodungen geben würden. 500 Hektar, so geben die Behörden in Indonesiens Hauptstadt Jakarta zu, stehen derzeit in Flammen. Satellitenaufnahmen zeigen kilometerhoch aufsteigende Qualmwolken. Doch Indonesiens Behörden tun alles, um die sich jährlich wiederholende Umweltkatastrophe herunterzuspielen.

„Wir haben 22 Flammenherde gefunden“, heißt es in Jakarta. Es handele sich nicht nur um Buschfeuer. Auch die Torfböden der Regen seien angezündet worden. Da würden auch normale Löscharbeiten nicht mehr helfen, sondern nur noch „künstlicher Regen“. Es würde sicher auch helfen, wenn Indonesiens Behörden den Firmen stärker auf die Finger schauen würden, die seit Jahren per Brandrodung den Urwald vernichten. Die Brände sind billiger als andere Formen von Rodungen, weil kaum Personal benötigt wird. Umweltschützer sagen zudem, dass lokale Beamte, die gemeinsame Sache mit Plantagenbesitzern machen, sich nicht an Vorgaben aus Jakarta halten.

Singapurs Regierung greift unter dem Druck seiner empörten Bevölkerung zu deutlichen Worten. „Niemand hat das Recht, die Luft auf Kosten der Gesundheit Singapurs zu verschmutzen“, schimpfte Gesundheitsminister Vivian Balakrishnan. „Singapur benimmt sich sehr kindisch“, kontert Jakarta, neben den Philippinen das einzige Land der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean, das ein Abkommen von 2002 zur Verhinderung der lokalen Luftverschmutzung immer noch nicht unterzeichnet hat.

Jakarta weist zudem jede Verantwortung für die Qualmwolken über Singapur und Malaysia weit von sich. Die Begründung: Es handle sich nicht um indonesische Firmen, die in Sumatra den Feuerteufel spielten, sondern um Konzessionäre aus dem benachbarten Stadtstaat. Nun will Singapur mit Hilfe von Satellitenaufnahmen und Landkarten mit den Namen der Firmen die Übeltäter identifizieren. Doch wieder einmal will Indonesien nicht behilflich sein. Man könnte die Unterlagen nicht übergeben, bevor entsprechende Untersuchungen abgeschlossen würden. Experten sind überzeugt, dass die noch länger dauern werden als die derzeitigen Brandrodungen.