Berlin - Im Tarifkonflikt zwischen der Post und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi verhärten sich die Fronten zusehends. Während Verdi für die kommenden Tage eine Ausweitung des unbefristeten Streiks auf die Zusteller ankündigte, warf Post-Vorstand Jürgen Gerdes der Gewerkschaft vor, die Belegschaft mit „böswilligen Unwahrheiten“ zu verunsichern. „Da laufen welche rum und erzählen was von Entlassungen und Lohnkürzungen - das sind Lügen, da fehlen mir die Worte“, sagte Gerdes am Dienstag vor Journalisten in Berlin.

Der zentralen Forderung von Verdi, alle Paketzusteller im Konzern nach dem Haustarifvertrag der Post zu entlohnen, werde das Unternehmen unter keinen Umständen nachgeben, betonte der für den Paketbereich zuständige Vorstand. Es handele sich bei der Gründung der Gesellschaften um eine notwendige unternehmerische Entscheidung, die nicht Gegenstand von Tarifverhandlungen sein könne. Auch eine Schlichtung in dieser Frage schloss Gerdes aus.

Gerdes: "Post zahlt mehr als die Konkurrenz"

Kern des Konflikts ist die Gründung von 49 Regionalgesellschaften Anfang dieses Jahres, die die Paketzustellung zwischen Geschäfts- und Privatkunden – also etwa Sendungen von Amazon - übernehmen sollen. Dieses Segment deckt nach Postangaben rund 90 Prozent der gesamten Paketzustellung ab. In den Regionalgesellschaften sind mittlerweile mehr als 6000 Mitarbeiter neu eingestellt worden. Sie werden, anders als die 8000 im Mutterkonzern tätigen Paketzusteller, nicht nach dem hoch dotierten Haustarifvertrag des Post entgolten, sondern nach den niedrigeren Tarifen in der Logistikbranche.

Gleichwohl liegen die Löhne in den Regionalgesellschaften laut Gerdes rund 50 Prozent über denen der Konkurrenz: Während die Posttöchter den Paketzustellern durchschnittlich 13 Euro pro Stunde zahlten, gebe es bei den anderen Wettbewerbern lediglich den gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro.

„Wir müssen zu einer wettbewerbsfähigen Kostenstruktur kommen, um langfristig den Erfolg des Unternehmens und damit Arbeitsplätze sichern zu können“, sagte Gerdes. Ohne Kostensenkungen werde die Post auf Dauer vom Markt verschwinden. Es handele sich bei den Wettbewerbern schließlich nicht um kleine Mittelständler, sondern um international aufgestellte Großunternehmen wie UPS, DPD oder Hermes.

Streikauswirkungen bislang gering

Der Postvorstand verwies darauf, dass alle Mitarbeiter in den neu gegründeten Gesellschaften unbefristet und in Vollzeit angestellt worden seien. Die übrigen 8000 bei der Post beschäftigen Paketboten würden wie gehabt weiter beschäftigt und nach Haustarif entlohnt. Es gelte vollständiger Bestandsschutz. „Kein einziger Mitarbeiter wird auch nur gefragt, ob er in die neuen Gesellschaften wechseln möchte.“

Betriebsbedingte Kündigungen schloss der Post-Vorstand ebenfalls aus. Mithin habe das Unternehmen seit Jahreswechsel 6000 unbefristete Vollzeitstellen geschaffen und zahle 50 Prozent mehr als die Konkurrenz. „Daran ist nichts falsch und an dieser Grundentscheidung werden wir auch nicht rütteln“, sagte Gerdes.

Die Post bemühe sich, den Brief- und Paketverkehr trotz des Streiks in großen Teilen wie gewohnt abzuwickeln. Während der bisherigen 28 Streiktage sei dies weitgehend gelungen: 85 Prozent der Pakete hätten ihre Adressaten binnen eines Tages erreicht. Am Dienstag seien knapp 90 Prozent der Briefe pünktlich zugestellt worden.

Wie lange der Tarifkonflikt, der am 5. Dezember 2014 zu einem ersten Warnstreik geführt hatte, noch andauert, ist nicht abzusehen. Gerdes: „Wenn Verdi die Existenz der Tochtergesellschaften anerkennt, kann es eine schnelle Einigung auf Lohnerhöhungen und Arbeitszeitregelungen geben. Aber über diese Hürde müssen sie springen. Drunter durch geht‘s nicht.“