Europaflagge im Wind
Foto:  imago images

BrüsselAmerikanische Staatsbürger suchen verstärkt nach Schlupflöchern, um sich trotz der wegen der Corona-Pandemie verhängten Einreisebeschränkungen in der EU frei bewegen zu können. Wie das Magazin Politico aus Brüssel berichtet, sei der beliebteste Weg über Großbritannien: Dorthin können US-Bürger einreisen, während ihnen die direkte Einreise in ein EU-Land untersagt ist. Wegen der Schengen-Regeln gelten die US-Bürger in vielen Ländern der EU nicht als direkt eingereist und können so über London in andere europäische Staaten gelangen, wie etwa nach Spanien. Dort hatte Politico mehrere US-Touristen getroffen und sich von ihnen ihre Einreisepraxis schildern lassen. Ein Tourist aus Miami sagte dem Magazin, dass die britischen Behörden ihn trotz seines Aufenthalts an einem Covid-19-Hotspot in den USA nicht verpflichtet hätten, sich während seines Aufenthalts am Londoner Flughafen Heathrow selbst zu isolieren. Er wurde von den britischen Behörden in keinerlei Weise behelligt.

Von Spanien wiederum fliegen die Amerikaner dann nach Paris. In Paris nehmen sie den Eurostar nach London. Der Zug werde in London überhaupt nicht kontrolliert. Das scheinbar laxe Vorgehen ist die konkrete Umsetzung der EU-Regeln. Auf einer Liste von weniger betroffenen Staaten stehen die USA, Russland und Brasilien. Die Einreise über ein Drittland in die EU ist für Bürger dieser Staaten erlaubt. Nicht alle Staaten setzen die EU-Vorgaben allerdings so um: Die Niederlande erklärten, dass US-Bürgern generell die Einreise verwehrt werde, gleichgültig woher sie kommen.

Ein andere Methode ist die Bitte an Bekannte oder Verwandte, sich Geschäftsbriefe ausstellen zu lassen. Dieses Vorgehen kennen europäische Reisende aus Russland, wo man vor Corona mit Visum einreisen konnte, aber auch einen Geschäftszweck vorweisen musste. Es sei zunehmende Praxis, dass Freunde Alibi-Briefe schreiben, berichtet ein Reiseveranstalter. Darin steht, dass eine Person einen dringenden Grund habe, in die EU einzureisen. Entweder sei ein Investment zu tätigen oder die Teilnahme an einem wichtig Geschäftsmeeting sei erforderlich.

Urlauber aus Corona-Risikogebieten müssen sich ab Sonnabend bei der Rückkehr nach Deutschland auf das Virus testen lassen – außer, sie haben schon ein frisches negatives Ergebnis dabei. Welche Länder als Risikogebiete gelten, geht aus einer Liste des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervor. Derzeit stehen auf der Liste etwa 130 der weltweit knapp 200 Staaten. Aus der EU sind derzeit Luxemburg, die belgische Provinz Antwerpen und die spanischen Regionen Aragón, Katalonien und Navarra auf der Liste.

Nach der Ankündigung verpflichtender Corona-Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten fordert der CDU-Wirtschaftsrat ein generelles Reiseverbot für solche Regionen.