Der Yuan.
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Peking/ChicagoDie Auswirkungen der durch das Coronavirus COVID-19 verursachten Krankheit auf die chinesische Wirtschaft werden begrenzt sein, sagte Khairy Tourk, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Stuart School of Business des Illinois Institute of Technology in Chicago.

„Im ersten Quartal wird es definitiv einige negative Auswirkungen geben, aber im Verlauf des Jahres würden sich die Dinge wieder normalisieren“, sagte Tourk in einem Interview mit de staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua.

Die Investmentbank Goldman Sachs hat in einer Analyse festgestellt, dass die Produktion in China im ersten Quartal abgestürzt ist. Der chinesische Präsident Xi fordere in dieser Woche die Chinesen auf, wieder zur Arbeit zu geben. Er forderte insbesondere die chinesische Polizei auf, auf Übergriffe gegen potentiell infizierte Bürger zu unterlassen. In den vergangenen Tagen waren mehrfach im Internet Videos aufgetaucht, die zeigen, wie chinesische Offizielle brutal gegen „Verdächtige“ vorgehen. Die Authentizität der Videos ist allerdings nicht zu überprüfen.

Das Virus hat laut Reuters Auswirkungen auf die Energiemärkte. Wegen des starken Nachfragerückgangs in China, dem weltweit größten Rohölimporteur, sitzen Öltanker vor der Küste des Landes fest. Die Reeder sehen sich dazu veranlasst, andere asiatische Ziele aufzusuchen.

Der internationale Referenzwert für Brent-Rohöl ist seit Jahresbeginn um 15 Prozent gesunken.

Große internationale Energieprognostiker erwarten, dass die Nachfrage wegen des Virus in diesem Quartal sinken wird, dem ersten Rückgang seit einem Jahrzehnt.

Chinesische Raffinerien haben die Produktion innerhalb von nur zwei Wochen um etwa 1,5 Millionen Barrel pro Tag (bpd) gesenkt, wodurch sich die Rohölvorräte häuften.

Dies hat dazu geführt, dass zahlreiche große Tanker, sogenannte Very Large Crude Carrier (VLCCs), die jeweils mehr als 2 Millionen Barrel Rohöl aufnehmen können, nicht in der Lage sind, an Chinas wichtigstem Rohölimportterminal in Qingdao zu entladen, wie von Reuters veröffentlichte Refinitiv-Daten zeigen.

Andere Ladungen werden nach Südkorea, Malaysia, Singapur und anderen Orten in China umgeleitet, während sich die Lagertanks in der Provinz Shandong - wo sich Qingdao befindet - schnell füllen. 

Das Ölkartell Opec hat seine Prognose für die weltweite Nachfrage nach Rohöl kräftig gesenkt. Im ersten Quartal dürfte die Nachfrage um durchschnittlich 440.000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag niedriger ausfallen als bisher prognostiziert, wie aus dem Monatsbericht der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hervorgeht, der am Mittwoch in Wien veröffentlicht wurde. In dem Bericht wird ausdrücklich auf die Folgen der Virus-Krise verwiesen. Der Ausbruch des Coronavirus werde sich auf die Nachfrage in Asien auswirken, hieß es.

Laut der aktuellen Prognose rechnet das Ölkartell in den Monaten Januar bis März mit einer weltweiten Nachfrage von 99,51 Millionen Barrel pro Tag, nach bisher 99,95 Millionen Barrel. Das volle Ausmaß der Auswirkungen der Viruskrise dürfte erst in den kommenden Monaten deutlich werden, hieß es weiter.

In den vergangenen Wochen hatte die Corona-Krise die Ölpreise stark belastet. Am Montag war der Preis für Rohöl aus der Nordsee noch bis auf 53,11 Dollar je Barrel gefallen und damit auf den tiefsten Stand seit etwa einem Jahr.

Die Weltwirtschaft, die insgesamt von China sehr abhängig ist, hat die Folgen der Krise seit kurzem deutlich zu spüren bekommen. 

Der US-Ökonom Tourk erwartet allerdings keinen nachhaltigen Absturz der chinesischen Wirtschaft: „Die Weltgesundheitsorganisation hat China für seine schnelle Reaktion gelobt. Tatsächlich erreichte China eine Reaktion in nahezu Echtzeit", entgegnet Touk dem Vorwurf, dass China zu spät auf den Virusausbruch reagiert habe.

Tourk verglich die aktuelle Pandemie mit anderen Epidemien wie Zika und Ebola und sagte, dass sie viel weniger einschneidend sei ist als andere Epidemien. „Alles in allem wurden die negativen Auswirkungen dieser Epidemie zu stark übertrieben“, sagte er.

Eine positive Sache an der chinesischen Wirtschaft sei, dass sie die digitale Wirtschaft bereits entwickelt hat. Daher ist es etwa für Studenten relativ einfach, online zu studieren ... Ich war überrascht zu hören, dass einige chinesische Gerichte Online-Prozesse durchführen", sagte Tourk dere Xinhua. Die chinesische Gesellschaft sei sehr erfindungreich, weshalb sie mit der Lage vergleichsweise gut zurande komme.