Der US-Präsident bezeichnet Johnson als Freund und hat Großbritannien schon mehrfach ein schnelles Handelsabkommen versprochen.
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Die USA und Großbritannien haben offiziell Gespräche zum Abschluss eines bilateralen Freihandelsabkommens begonnen. Wegen der Coronavirus-Pandemie sollen die ersten Verhandlungen in den kommenden zwei Wochen über Videokonferenzen und übers Telefon geführt werden, teilte das Büro des US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer laut dpa am Dienstag mit. Ein solches Abkommen werde die US-Wirtschaft stärken, erklärte Lighthizer. Die britische Handelsministerin Elizabeth Truss erklärte demnach, dies könne beiden Ländern helfen, sich wirtschaftlich von der Corona-Krise zu erholen.

Beide Seiten bezeichneten ein solches Abkommen in der Stellungnahme als „Priorität“ und versprachen „beschleunigte Verhandlungen“. Die Realität könnte sich jedoch schwieriger gestalten: Der Abschluss eines umfassenden Handelsabkommens zweier entwickelter Nationen ist auch bei gegenseitigem politischen Willen ein komplexes Unterfangen. Zudem sind die USA mit einer Wirtschaftsleistung von mehr als 20 Billionen US-Dollar gegenüber dem frisch aus der EU ausgeschiedenen Großbritannien in einer Position der Stärke.

Das Vereinigte Königreich hat eine Wirtschaftsleistung von rund 3 Billionen Dollar. Zudem stellt Großbritannien nur noch einen Markt von rund 66 Millionen Menschen dar, in den USA leben 330 Millionen Menschen. Politisch wird sich die Regierung von Premierminister Boris Johnson zudem kaum Zugeständnisse erlauben können, durch die das Land gegenüber den USA schlechter dastehen würde als noch zu EU-Zeiten.

US-Präsident Donald Trump bezeichnet Johnson als guten Freund und hat Großbritannien auch inmitten der Trennung von der EU mehrfach ein schnelles Handelsabkommen versprochen. Gleichzeitig brüstet sich Trump damit, stets besonders hart zu verhandeln und dabei vor allem die Interessen Amerikas zu vertreten.

Das Handelsvolumen der beiden Staaten, inklusive dem Austausch von Dienstleistungen, betrug 2018 rund 260 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Der Handel mit der gesamten EU, inklusive Großbritannien, betrug demnach 1,3 Billionen Dollar. Verhandlungen für ein umfassendes Handelsabkommen zwischen der EU und den USA, bekannt als TTIP, hatte Trump nach seinem Amtsantritt 2017 gestoppt.