Berlin - Meistens arbeitet Magnus Hall in Stockholm, aber der Schwede kümmert sich auch regelmäßig persönlich um die Aktivitäten seines Konzerns in Berlin. Hier kämpft Vattenfall um eine neue Stromnetz-Konzession – und gegen die zahlreichen Gegner des Unternehmens bei SPD, Linken und Grünen, die die Energieversorgung rekommunalisieren wollen.

Herr Hall, Vattenfall hat durch allerlei Fehler Milliardenverluste gemacht, unter anderem beim Verkauf der Braunkohleaktivitäten in Deutschland. Da liegt es nahe, dass Sie über einen Verkauf des Berliner Stromnetzes nachdenken. Das brächte Geld.

Vattenfall hat in der Tat wie andere Energieversorgungsunternehmen finanzielle Herausforderungen. Wir sind aber durch die Kostensenkungsmaßnahmen der letzten Jahre in einer soliden wirtschaftlichen Situation. Wir müssen sparen, haben aber genug Spielraum für Investitionen. Das Stromgeschäft in Schweden und in anderen Ländern läuft gut und unser Wärmegeschäft ist profitabel. Kurzum: Wir denken nicht über den Verkauf des Berliner Stromnetzes nach.

In Deutschland bauen Sie massiv ab.

Wenn Sie das Braunkohlegeschäft meinen, stimmt das. Der Verkauf hat zur Folge, dass wir die Zahl unserer Beschäftigten in Deutschland von rund 15.000 um etwa die Hälfte reduzieren. Aber Deutschland ist und bleibt ein Schlüsselmarkt für Vattenfall. Wir sind hier in allen wichtigen Bereichen der Energieversorgung vertreten, in der Strom- und Wärmeproduktion, im Netzbetrieb, im Handel und Verkauf von Strom und Wärme und beim Ausbau der Windkraft. Der Netzbetrieb ist für uns von zentraler Bedeutung und deshalb haben wir nicht vor, in diesem Segment unser Netz oder unsere Anlagen in Deutschland und Berlin zu verkaufen.

Berlin will bis 2030 raus aus der Kohle. Die anstehende rot-rot-grüne Koalition wird darauf achten, dass Vattenfall als einer der großen CO2 -Emittenten sich an die Umsetzung macht. Ist das zu schaffen?

Ich glaube, dass das möglich ist. Es wird natürlich eine große Herausforderung, eine Metropole wie Berlin ohne Kohleeinsatz verlässlich mit Strom und Wärme zu versorgen. Deshalb brauchen wir eine intensive Diskussion darüber, wie Vattenfall dieses Ziel gemeinsam mit Berlin erreichen will. Ich lade die neue Landesregierung herzlich ein, sich gemeinsam mit uns auf eine Machbarkeitsstudie über das Ende der Kohleverstromung in Berlin im Jahr 2030 zu verständigen.

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