Venture Capital: Berliner Start-up-Szene weiter im Aufschwung

Das Berliner Start-up Soundcloud ist erst sieben Jahre alt und wird mittlerweile mit schier unglaublichen 700 Millionen Dollar bewertet. Dieser Wert ergibt sich jedenfalls aus dem jüngsten Zuschuss an frischem Kapital, das das Unternehmen erhalten hat. Die Geldgeber von der Venture-Capital-Firma Institutional Venture Partners haben so viel Vertrauen in die Entwicklung der Musik-Plattform, dass sie rund 60 Millionen Dollar locker machten.

Die Finanziers glauben, dass Soundcloud „zu der dominierenden Audio-Plattform“ werden könne, eine Art Musik-YouTube. Soundcloud hat nach eigenen Angaben rund 250 Millionen Nutzer. Private Nutzer wie auch Künstler können über die Plattform eigene Musikstücke hochladen. Soundcloud ist mit dem Mega-Deal in guter Gesellschaft: Die finanzierende Venture-Kapital-Firma hat auch schon Geld in solche Firmen wie Twitter, Zynga und Snapchat gesteckt.

Von Boom noch weit entfernt

Die Berliner Gründer-Szene zieht Investoren mitsamt Kapital an, wie nicht nur das Beispiel Soundcloud zeigt. Wie der Hightech-Verband Bitkom und der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) am Donnerstag mitteilten, flossen im vergangenen Jahr insgesamt rund 255 Millionen Euro in Start-ups aus der Informationstechnologie- und Internetbranche in Deutschland. Das waren rund sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das Erfreuliche für die Hauptstadt dabei: Mehr als die Hälfte des gesamten Investitionsvolumen entfiel auf Firmen in Berlin, was erneut die Bedeutung der Stadt in der Start-up-Szene unterstreicht.

„Berlin konnte seinen Ruf als Venture-Capital-Hauptstadt weiter ausbauen“, erklärten beide Branchenverbände. Der Anstieg der Geldsumme betrug in Berlin zehn Prozent. 136 Millionen Euro gingen an 73 Start-ups. Auf dem zweiten Platz in der Reihenfolge der Bundesländer folgt Bayern, das knapp 46 Millionen Euro für 41 Unternehmen kassieren konnte. Hamburg liegt mit 13 Millionen auf dem dritten Platz. Nach Brandenburg (Platz fünf noch vor Baden-Württemberg) flossen immerhin noch mehr als neun Millionen Euro. Nach Angaben der Verbände entfiel der Löwenanteil der Mittel bundesweit auf Start-ups aus den Bereichen Internet und Software. An Hardware-Start-ups gingen insgesamt nur 17,4 Millionen Euro.

Bitkom zeigte sich erfreut darüber, dass 2013 wieder mehr Risikokapital in die deutsche Start-up-Szene geflossen sei. „Von einem Finanzierungs-Boom kann man allerdings nicht sprechen“, sagt Vizepräsident Ulrich Dietz. In anderen Ländern wie den USA oder Israel stehe ein Vielfaches an Venture Capital für Gründer zur Verfügung. Deutschland müsse aufpassen, nicht den Anschluss zu verlieren. „Schwierig ist nach wie vor auch die Wachstumsfinanzierung“, betonte Dietz.

Um schneller zu expandieren und stärker zu wachsen, seien deutlich größere Finanzierungsrunden notwendig. „Ein Grund dafür ist sicher auch, dass kein großer US-Investor ein Büro in Deutschland hat. Deutsche Start-ups sind immer noch zu wenig auf dem internationalen Radar der Geldgeber. Hier müssen Wirtschaft und Politik gemeinsam für mehr Aufmerksamkeit sorgen“, so Dietz.

Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer forderte, die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen für die Investoren verbessern und noch stärker um privates Engagement durch nationale und internationale Kapitalgeber zu werben. „Berlin hat ein starkes Interesse daran, die Stadt für Wagniskapitalgeber noch attraktiver zu machen, denn wir stehen im Wettbewerb mit anderen internationalen Metropolen.“

Die Themen Wagniskapital und neue Rahmenbedingungen werden auch Schwerpunktthemen der Wirtschaftsministerkonferenz der Länder im Juni sein.