Verbände wollen Höchstarbeitszeit kippen: Bundesregierung lehnt Abschaffung des Acht-Stunden-Tages ab

Berlin - Die Bundesregierung hat der Forderung von Unternehmervertretern nach der Abschaffung des Acht-Stunden-Tages eine Abfuhr erteilt. „Änderungen sind an dieser Stelle nicht geplant“, sagte ein Vertreter des Arbeitsministeriums am Donnerstag. Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) hatte in einem Positionspapier vorgeschlagen, statt einer täglichen eine wöchentliche Höchstarbeitszeit gesetzlich festzuschreiben. Das lehnten auch die Gewerkschaften ab.

Der Acht-Stunden-Tag war eine der ältesten Forderungen der Arbeiterbewegung. Aufgestellt wurde sie vor fast 200 Jahren unter dem Slogan „Acht Stunden arbeiten, acht Stunden schlafen, acht Stunden Freizeit und Erholung“. Erstmals gesetzlich festgeschrieben wurde der Acht-Stunden-Tag in Deutschland 1918.

Arbeitgeber wollen flexiblere Arbeitszeiten

Aktuell liegt die maximal erlaubte Arbeitszeit pro Tag noch immer bei acht Stunden. Vorübergehend ist eine Ausdehnung auf zehn Stunden erlaubt. Aber nur, wenn dies innerhalb von sechs Monaten wieder ausgeglichen wird, so dass mittelfristig ein Durchschnitt von acht Stunden erreicht wird.

Dies ist den Arbeitgebern noch nicht flexibel genug. Die BDA begründet ihre jüngste Forderung nach einem Ende des Acht-Stunden-Tages mit der zunehmenden Digitalisierung, also der verstärkten Nutzung von Computern und Informationstechnologien im Wirtschaftsgeschehen. Diese Technologie ermöglicht die Kommunikation über Kontinente und Zeitzonen hinweg. „Zeit und Ort der Aufgabenerfüllung werden zunehmend flexibel“, so die BDA. Das heißt, man kann per Computer oder Smartphone von zu Hause aus arbeiten, von unterwegs, in der Nacht und am Tag.

Arbeitszeit soll sich an Schwankungen anpassen

Dies macht es für Unternehmen möglich, zeitnah und passgenau auf Kundenwünsche zu reagieren. Dieses Angebot wird wahrgenommen. Folge für das Unternehmen sind stärkere Schwankungen der Auftragslage und des Arbeitsanfalls. „Die Beschäftigung wird deshalb stärker als bisher den Anforderungen schwankender Auftragslagen folgen müssen“, so die BDA.

Daher wendet sich die BDA gegen eine geplante Regulierung der Zeitarbeit, plädiert für mehr Freiräume bei der Sonntags- und Feiertagsarbeit und für die Umstellung der gesetzlich geregelten Arbeitszeit von einer täglichen auf eine wöchentliche Arbeitszeit.

Die Gewerkschaften sehen hingegen keinen Handlungsbedarf. „Überall wo wir Regelungen zum mobilen Arbeiten vereinbart haben, stand das Arbeitszeitgesetz nicht im Wege“, sagte Jörg Hofmann, zweiter Vorsitzender der IG Metall. „Hier nach dem Gesetzgeber zu rufen ist unnötig und ein durchsichtiger Versuch, Schutzrechte abzubauen.“

Gewerkschaften argumentieren dagegen

Zudem braucht es nach Meinung der Gewerkschafter strenge Arbeitszeitregeln zum Schutz des Privatlebens. „Nötig ist eine Eingrenzung der Arbeitszeit, gerade wegen der Digitalisierung“, sagte Hartmut Seifert, der für das Gewerkschaftsinstitut WSI arbeitet. Die Arbeit werde zunehmend entgrenzt. „Auch nach Dienstschluss müssen viele Beschäftigte erreichbar sein, die Menschen arbeiten am Feierabend oder im Urlaub“, sagte Seifert. Eine weitere Flexibilisierung mache das Leben der Menschen zunehmend unplanbar. „Dabei brauchen wir eine geregelte Freizeit, nicht nur zur Erholung, auch für Kinder, für die Pflege Älterer oder für Ehrenämter.“

Das Bundesarbeitsministerium will Ende 2016 ein Weißbuch vorlegen, in dem Änderungen der Arbeitszeitregeln diskutiert werden. Auf seiner Grundlage soll geprüft werden, ob und an welchen Stellen Neuregelungen nötig sind. Der Acht-Stunden-Tag solle nicht abgeschafft werden.