Ein Flugzeug landet bei aufgehender Sonne auf einem Flughafen.
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BerlinWegen der Corona-Krise haben Fluggesellschaften weltweit unzählige Flüge abgesagt - auf den Kosten bleiben teilweise bislang jedoch größtenteils die Kunden sitzen, deren Geld die Airlines noch nicht rückerstattet haben. Eine Übersicht über die Rechte und Möglichkeiten von Flugreisen-Buchern in Deutschland, welche die Nachrichtenagentur AFP erstellt hat:

Kontakt zur Airline

Die Verbraucherzentralen stellen für Betroffene im Internet ein Musterschreiben für die Erstattung von Flugkosten zur Verfügung. Schwierig wird es jedoch, wenn die Fluggesellschaften auf derartige Anfragen gar nicht reagieren. Es gebe nur wenige und dann eher kleinere, die offen mit ihrer Kundschaft kommunizierten, sagt Reiserechtsexperte Robert Bartel von der Verbraucherzentrale Brandenburg der Nachrichtenagentur AFP. „Vielfach wird einfach der Kontakt abgebrochen.“

Rückerstattung

Im europäischen Fluggastrecht ist der Anspruch auf Rückerstattung klar geregelt: Diese muss eigentlich binnen sieben Tagen nach der Mitteilung über die Annullierung des Flugs erfolgen. Das gilt nicht nur für europäische Fluglinien, sondern bei jeder Buchung eines Flugs mit Abflugsort in einem EU-Land. Kunden können sich darauf auch berufen, wenn ein Flug aus einem Drittstaat in die EU gegangen wäre, sofern sie in dem Drittstaat noch keine entsprechenden Leistungen erhalten haben.

Auch wenn Betroffene ihren Flug bei einem Vermittler wie Opodo oder Booking.com gebucht haben, sei der Anspruchsgegner „in jedem Fall die Fluggesellschaft“, sagt Reiserechtsexperte Bartel. Auch wenn die Erstattung formal zwar häufig über die Vermittler laufe, kann der Kunde den Anspruch bei Problemen mit den Anbietern auch gegenüber der Fluggesellschaft geltend machen. Der Anspruch auf Rückerstattung verjährt nach drei Jahren, wie Bartel betont.

Rechtsweg

Kommt kein Kontakt zur Airline zustande oder verweigert diese die Erstattung, gibt es mehrere Möglichkeiten: Kunden könnten laut Bartel selbst ein Mahnbescheidsverfahren einleiten und hoffen, dass die Fluggesellschaft daraufhin zahlt. Unterstützung können sich Kunden bei den Verbraucherzentralen oder der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) holen.

Die SÖP hat dem „Tagesspiegel“ bereits mitgeteilt, die Zahl der Schlichtungsanträge habe sich im Vergleich zu den Vorjahren verdoppelt bis verdreifacht - von den in der ersten Juni-Woche eingereichten 800 Beschwerden richten sich demnach rund 650 gegen Fluglinien.

Sollte es zu einem Gerichtsprozess kommen, hätten Fluggesellschaften in der Corona-Krise bei nicht gezahlten Rückerstattungen eigentlich keine Chance, sagt Bartel. „Ich glaube schon, dass da einige klagen werden.“ Der Experte schätzt diese Entscheidung als „Schmerzfrage“ ein - womöglich werde eher bei nicht rückerstatteten Kosten für teure Fernflüge geklagt als bei Billigflügen.

Gutschein bei Pauschalreisen

Die Bundesregierung hatte Ende Mai eine Regelung für eine freiwillige Gutscheinlösung auf den Weg gebracht. Demnach können Reiseanbieter und Reisebüros den Kunden für Pauschalreisen, die wegen der Corona-Pandemie entfielen, anstelle der unverzüglichen Erstattung der Vorauszahlung auch Gutscheine im entsprechenden Wert anbieten. Die Reisenden können aber selbst entscheiden, ob sie den Gutschein annehmen.

Lehnen sie ihn ab, behalten sie ihren Kostenerstattungsanspruch. Bundesverbraucherschutzministerin Christine Lambrecht (SPD) wirbt für die Gutscheinlösung: „Wenn alle auf einer Auszahlung bestehen, wird es für manche Airline hart.“ Verbraucherschützer Bartel erinnerte jedoch daran, dass diese Regelung ohnehin nicht für reine Flugbuchungen gilt, sondern nur für Pauschalreisen.