Einen günstigen Stromtarif auf einem Vergleichsportal im Internet zu finden, scheint kinderleicht. Bei Verivox.de zum Beispiel muss man nur die Postleitzahl eingeben, und schon nach wenigen Sekunden erhält der Nutzer eine Liste mit den günstigsten Anbietern. Ganz vorn steht ein Angebot, das farblich leicht abgehoben ist und von Verivox mit dem Wörtchen „Tipp“ empfohlen wird. Erst beim zweiten Hinsehen fällt auf, dass es sich nicht um den günstigsten Anbieter handelt, sondern um eine Anzeige. Das Wörtchen „Anzeige“ steht ganz klein versteckt in einer Ecke. Die Konkurrenten Check24 und Toptarif.de machen es genauso.

Die Vergleichsportale, die bei Verbrauchen sehr beliebt sind, haben noch andere Tücken. Laut Stiftung Warentest gelingt es keinem Portal optimal, den günstigsten und fairsten Tarif für Kunden zu finden. Demnach sind die voreingestellten Suchoptionen häufig problematisch. Die Filter würden von den Portalen oft so eingestellt, dass überwiegend verbraucherunfreundliche Angebote auf den vorderen Plätzen landen. Solche Anbieter hätten oft unfaire Bedingungen wie Pakettarife, unklare Bonus-Bedingungen oder lange Anschlusslaufzeiten, wenn der Kündigungstermin verpasst wird. Viele Portale hätten zudem gravierende Mängel bei der Information zu den Tarifen sowie bei der Transparenz der Tarifdarstellung.

Die Vergleichsportale finanzieren sich einerseits durch Werbung, andererseits aber auch durch Zahlungen, die sie von den Stromanbietern für die Vermittlung von Kunden erhalten: Für jeden Verbraucher, der über ihr Portal zum Stromanbieter gelangt und dort einen Vertrag abschließt, erhalten sie eine Provision. Sie stecken deshalb in einem gewissen Interessenkonflikt: Einerseits wollen sie Verbraucher möglichst objektiv beraten, andererseits sind sie finanziell von den Stromanbietern abhängig.

Der neue Weg zum fairen Tarif

Einen Ausweg aus diesem Dilemma verspricht das hierzulande noch nahezu unbekannte niederländische Vergleichsportal Prizewize. Es will einen völlig neuen Weg bei der Suche nach günstigen Stromtarifen gehen: In Kooperation mit Verbraucherzentralen und Medienpartnern will das Unternehmen demnächst in Deutschland Auktionen unter Energieversorgern veranstalten, um möglichst faire Tarife für die Verbraucher herauszuholen. Das Prinzip: Prizewize legt die Konditionen für eine fest definierte Zahl von Kunden vorher genau fest. Den Zuschlag erhält dann der Anbieter, der den günstigsten Preis nennt. Bindend ist das Angebot für alle Verbraucher, die sich vorher für die Auktion angemeldet haben.

„In anderen europäischen Ländern haben wird dieses innovative Modell bereits erfolgreich durchgezogen“, sagte Prizewize-Deutschland-Chef Sascha Nachtnebel der Berliner Zeitung. „Demnächst wollen wir das auch in Deutschland starten.“ Der Vorteil für Verbraucher sei, dass sie sicher sein können, einen wirklich fairen Tarif zu bekommen. „Denn die Konditionen haben wir schließlich vorgegeben“, so Nachtnebel. Für die Stromanbieter wiederum sei das sehr interessant, weil sie auf einen Schlag viele neue Kunden gewinnen würden. „Da kann es sich für sie schon mal lohnen, einen besonders günstigen Preis bei der Auktion zu bieten.“

Die Strompreis-Expertin der Stiftung Warentest, Simone Vintz, ist allerdings skeptisch: „Ob Verbraucher über Auktionen wirklich an einen fairen und günstigen Tarif kommen, da habe ich so meine Zweifel“, sagt sie. „Denn auf dem deutschen Strommarkt gibt es extrem viele Tarife von Discountern. Und die würden es vermutlich meist hinbekommen, den Zuschlag bei diesen Auktionen zu bekommen, tricksen dann aber an anderer Stelle.“

So komme es zum Beispiel vor, dass solche Discounter Verbraucher unter dem Vorwand, besonders kulant zu sein, zwei Tage vor Ablauf der eigentlichen Vertragslaufzeit zu einem anderen Anbieter wechseln lassen. Das eigentliche Ziel sei, den Kunden dann den versprochenen Bonus für ein Jahr Treue vorzuenthalten, hat die Expertin der Stiftung Warentest beobachtet.

Den besten Eindruck hat Stiftung-Warentest-Expertin Vintz von Prizewize bislang ohnehin nicht: „Prizewize war in unserem Test bei der Filtereinstellung sehr kompliziert und verwirrt die Verbraucher bisweilen“, kritisiert Vintz. Immerhin: Als Suchergebnisse getarnte Anzeigen kämen bei Pricewize bislang nicht vor.