Berlin - Über neun Stunden haben Kanzlerin und Ministerpräsidenten am Mittwoch getagt. Am Ende haben sie sich auf eine Verlängerung des Lockdowns bis zum 28. März verständigt – und ein Stufenkonzept beschlossen, um das Land schrittweise wieder zu öffnen. Je nach Pandemielage soll mehr oder weniger gesellschaftliches Leben möglich sein. In fünf Schritten wird gelockert. Oder auch nicht. Entscheidend ist nun ein Inzidenzwert von 50. Die von der Politik zuletzt anvisierten 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner sind nicht mehr maßgeblich. Selbst bei Inzidenzen von unter 100 sind jetzt Lockerungen möglich – abhängig vom Datum.

Wie gut und verständlich sind die neuen Regeln? Darüber haben wir mit Dominik Enste, dem Leiter des Kompetenzfelds Verhaltensökonomik und Wirtschaftsethik beim arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW), gesprochen. 

Herr Enste, die Bundesregierung hat den Lockdown bis zum 28.3. verlängert. Lockerungen sollen aber trotzdem vorher schon möglich sein. Finden Sie die neuen Regelungen nachvollziehbar?

Nein. Das Problem ist, dass die Politik bei der Bekämpfung der Pandemie in einem Denken gefangen ist, das vor allem auf detaillierte Verordnungen setzt. So soll Rechtssicherheit geschaffen werden. Das setzt sich jetzt in dem nicht nachvollziehbaren Katalog der Öffnungsschritte fort. Die Politik war nicht bereit, ihre Strategie grundlegend zu verändern. Mit Detailregelungen bekommt man die Pandemie aber nicht in den Griff. Bei den Menschen hat sich eine gewisse Müdigkeit breitgemacht, vieles können sie nicht mehr nachvollziehen.

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