In fast allen Branchen boomt der Onlinehandel, und die stationären Geschäfte haben mit dieser Konkurrenz zu kämpfen. Doch dann gibt es auch solche Waren, die nicht für einen Paketversand prädestiniert sind. Dazu gehören Schnittblumen.

Zwar werden allein durchschnittlich im Monat Februar anlässlich des Valentinstages 120 Millionen Rosen nach Deutschland importiert – und somit Tausende Kilometer transportiert. Das aber zu anderen Lieferbedingungen, als der Paketversand vom Händler zum Kunden funktioniert. Werden die Rosen auf dem Weg von den Anbaugebieten in Afrika aufwendig verpackt und nach ihrer Landung direkt in einen Kühllaster verstaut, greifen viele Onlinehändler auf reguläre Paketdienste wie DHL zurück, die auf solch blumige Ware nicht spezialisiert sind.

Geringe Bedeutung im Konsumentenmarkt

Ist das auch der Grund, weswegen der Onlinehandel in der Floristik-Branche stagniert? Können die Qualitätsstandards beim Verschicken nicht gehalten werden? Tatsächlich ist der Onlinehandel in der Branche noch eine Nische.

Mit einem Anteil von rund sieben Prozent im Jahr 2017 ist dieser laut der Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AIG) seit Jahren stabil. „Das Online-Geschäft mit Blumen und Pflanzen hat im Konsumentenmarkt eher noch geringe Bedeutung, der Lebensmitteleinzelhandel und der Discount gewinnen jedoch Jahr für Jahr vor allem beim Mengenanteil dazu“, sagt Andrea Kirchhoff, Sprecherin des Verbands des Deutschen Blumen- Groß- und Importhandels (BGI). Der Lebensmitteleinzelhandel inklusive Discounter komme nach vorläufigen Daten laut AIG 2017 bereits auf einen Anteil von 30 Prozent beim Umsatz. Vor fünf Jahren waren es noch knapp 24 Prozent. Den Absatz von Schnittblumen dominiert also weiterhin der Fachhandel. Er machte 2017 rund 62 Prozent des gesamten Umsatzes aus.

Dennoch sind Onlinehändler praktisch, wenn man auch seiner Liebsten eine Freude machen will, die nicht in derselben Stadt wohnt und der man eine Rose am Valentinstag nicht persönlich überreichen kann. Auch für schüchterne Rosenkavaliere, die womöglich anonym bleiben wollen, ist der Onlineversand eine Alternative.

Der Test

Das Portal Netzsieger hat die Rosensträuße von neun Onlinehändler kürzlich nach den Kriterien Vielfalt, Qualität, Preise, Lieferbedingungen, Bestellkomfort und Service einem Test unterzogen. Bei den Floristen handelt es sich um Online-Ableger stationärer Märkte wie Blume 2000, Floristen-Netzwerke, die über Blumenläden vor Ort liefern lassen, dazu zählen Fleurop oder Euroflorist, auch ein ausschließlich auf den Onlinehandel spezialisiertes Berliner Start-up ist dabei.

Bloomy Days hat allerdings Mitte vergangenen Jahres Insolvenz angemeldet und wurde mittlerweile von Fleurop aufgekauft und als Zweitmarke weitergeführt – „nur“ online war noch nicht rentabel genug. Zuletzt wurden auch die großen Konkurrenten der Floristen, Discounter wie Lidl und Aldi auf ihre online versandten Rosen hin getestet.

Qualität und Preis

Am wichtigsten bei der „Königin der Blumen“ ist ohne Zweifel die Optik, eine Rose soll etwas hermachen und den Beschenkten erfreuen. Da dürfen auch nach dem Versand keine schwarzen Druckstellen zu finden sein und kein Blatt verwelkt daherkommen. So war das aber laut den Testern von Netzsieger teilweise bei den Händlern Euroflorist und Blumenfee. „Für knapp 32 beziehungsweise rund 26 Euro liegen die beiden Dienstleister zwar preislich in einem guten Rahmen, die Qualität und Frische der Rosen ist hingegen ungenügend“, bilanzierte die Berliner Floristmeisterin Carolin Lange von Blumenfisch Floristik, die zum Testen zurate gezogen worden war.

Am schönsten und frischesten seien zum Testzeitpunkt die Rosen von Blume 2000 und Bloomy Days gewesen. Wobei letztere die mit Abstand teuersten sind. 20 rote Rosen kosten mit 50 Euro mehr als das Doppelte als die der günstigsten Anbieter. Die Floristin Lange sagt aber: „50 Euro für langstielige Edelrosen mit besonders vollen Blütenköpfen sind gerechtfertigt.“ Die günstigsten Rosen bieten FloraPrima und Valentins für jeweils knapp 20 Euro, die Qualität wird für den Preis als gut befunden.

Die Discounter Aldi und Lidl bieten für knapp 25 Euro einen Bund von 23 Rosen. Dass Blumen im Discount zu solch relativ niedrigen Preisen verkauft werden, hat nichts damit zu tun, dass es sich um „schlechtere Ware“ handelt.

Der Grund, warum Blumen im Discount so günstig sind, habe andere Gründe, erklärt Kirchhoff. „Es handelt sich schlichtweg um andere Produkte und Warenmengen. Das können beispielsweise günstigere Rosensorten sein, mit kleineren Knospen und kürzeren Stielen, als man sie vielleicht im Fachhandel findet. Was aber nicht bedeutet, dass die Blumen eine schlechtere Haltbarkeit haben.“

Im Test fallen beim Punkt der Haltbarkeit allerdings vier der neun Anbieter durch – darunter auch Aldi. Außerdem konnten Euroflorist, Miflora und Blumenfee ihre angegebene Frischegarantie von sieben Tagen nicht einhalten.

Lieferung, Service, Reklamation

Die Anbieter verfahren unterschiedlich, wenn der Käufer den Strauß reklamieren will, für den Fall, dass die Blumen nicht der angegebenen Qualität entsprechen oder das versprochene Lieferdatum nicht eingehalten werden konnte. Dann gibt es entweder einen Gutschein, die Kosten werden erstattet oder ein neuer Strauß geht an den Empfänger.

Einige Anbieter verlassen sich bei der Lieferung auf Paketdienste wie Hermes oder DHL, wenn die Paketdienste überlastet sind, kann der Strauß im schlechten Fall schon einmal später eintreffen. Andere wiederum arbeiten mit Floristen vor Ort zusammen, die die Blumen dann persönlich abliefern.

Die besten Lieferoptionen, mit Expressversand und anderen Zusätzen bieten laut Test Blume 2000 und Euroflorist. Weniger gut habe Aldi abgeschnitten, wobei der Discounter zusätzlich günstig ist, da er keine Liefergebühren veranschlagt. Ansonsten liegen diese Zusatzkosten zwischen fünf und sieben Euro.

Im Gesamtpaket aller Kriterien hat letztlich das Portal FloraPrima am besten abgeschnitten.