Köln - Es ist eine inzwischen unbestrittene Tatsache, dass die Länder, die am wenigsten zum Klimawandel beitragen, am stärksten unter den Folgen leiden müssen:  Kleine Südseeinseln  kämpfen mit dem steigenden Meeresspiegel, afrikanische Staaten sehen sich mit extremen Dürren konfrontiert und Länder in der Karibik haben es vermehrt mit Hurrikans zu tun. Das schlechte Gewissen der Industriestaaten, die maßgeblich den Ausstoß von Klimagasen verantworten, hält sich bisher aber in Grenzen. Deutschland will nun im Rahmen seiner G-7-Präsidentschaft eine Initiative starten, um die Folgen für die betroffenen Staaten und deren Bevölkerung zumindest abzumildern.

Eine neue Idee, um sich gegen Schäden und Folgen abzusichern

Das vergleichsweise neue Instrument, auf das die Bundesregierung dabei setzt, sind sogenannte Klimarisikoversicherungen. In der direkten Form sichern sich zum Beispiel Bauern selbst bei einer Versicherung gegen Schäden durch Naturkatastrophen ab. Bei indirekten Versicherungen sind ganze Staaten versichert. Sie können im Katastrophenfall mit den Geldern der Versicherung rasch Notprogramme starten. Die Industriestaaten können derartige Versicherungen auf vielfältige Weise unterstützen, beispielsweise durch die Finanzierung des Startkapitals. Ziel der Initiative ist nach Angaben aus Regierungskreisen, bis 2020 zusätzlich 400 Millionen Menschen zu versichern. Derzeit sind rund 100 Millionen Menschen auf diese Art abgesichert.

Einen ersten Versuch gab es schon

Als Blaupause gilt die Dürreversicherung, die  mit deutscher und britischer Hilfe für afrikanische Staaten aufgebaut worden ist. Sie hat Anfang des Jahres ihre erste  Bewährungsprobe bestanden. Bereits zwei Monate nach der Feststellung einer Dürresituation in Teilen von Mauretanien, Niger und dem Senegal zahlte die Versicherung umgerechnet 23 Millionen Euro aus, die 1,3 Millionen Menschen zu Gute kamen. 500 000 Nutztiere wurden gerettet.

Schnelle Hilfe spart Geld

Der erste Versicherungsfall stütze laut Regierungsvertretern zudem die These, dass schnelle Hilfe viel Geld spart. Schließlich hilft die Weltgemeinschaft üblicherweise erst, wenn die Menschen ihr Saatgut aufgegessen, die Tiere geschlachtet und ihr Land verlassen haben - was sie vollständig von fremder Unterstützung abhängig macht. Jeder Dollar, der früh in die Hilfe für Betroffenen gesteckt wird, ersetzt etwa 3,50 Dollar, hatten Untersuchungen ergeben. Beim ersten Fall der Dürreversicherung war die Einsparung ersten Berechnungen zufolge sogar noch höher: Durch die von der Versicherung ausgezahlten  23 Millionen Euro wurden Berechnungen zufolge herkömmliche Nothilfen im Umfang von  etwa 180 Millionen Euro überflüssig gemacht. Offen ist allerdings, ob derartige Versicherungen wirklich nachhaltig sind oder schon bei der nächsten größeren Katastrophe in die Knie gehen und am Ende dauerhaft subventioniert werden müssen. Schließlich lebt eine Versicherung von der Risikomischung. Bei einer Dürreversicherung  für Afrika oder einer Hurrikan-Versicherung für die Karibik sind die Risiken jedoch nicht sonderlich breit gestreut. Es wird sich zeigen müssen, ob die Klimarisikoversicherungen tatsächlich längerfristig in der Lage sind, die Folgen des Klimawandels abzufedern. Ein Versuch ist es allemal wert.