Noch schnell eine Unfallversicherung abschließen? In Zeiten des Internets kein Problem. Wo früher aufwendig beraten wurde, steht der Verbraucher heutzutage auf eigenen Füßen. Im Netz lassen sich viele Versicherungen ganz ohne Makler und Beratung mit ein paar Mausklicks buchen. Der sogenannte Direktvertrieb von Versicherungen im Netz macht es möglich. Direktvertrieb bedeutet, dass es keinen Makler gibt, der eine Provision erhält. Doch ohne Fallstricke ist die neu gewonnene Selbstständigkeit nicht. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um digitale Versicherungen.

Welche Versicherungen lassen sich digital abschließen?

Mittlerweile gibt es fast jede Versicherung als Online-Angebot: von der Versicherung fürs Handy oder fürs Fahrrad über Kfz-Versicherungen, Krankenversicherungen bis hin zur Berufsunfähigkeitsversicherung. Besonders bei Autoversicherungen spielt das Internet inzwischen eine wichtige Rolle. Laut einer Untersuchung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) kam im vergangenen Jahr ein knappes Fünftel (18,5 Prozent) des Neugeschäfts aus dem Direktvertrieb oder über Vergleichsportale. Das heißt, die Autobesitzer gingen entweder direkt auf die Seite eines Versicherungsunternehmens oder ließen sich über Vergleichsportale wie Check24.de zu einem Versicherer weiterleiten. Der Trend der Vorjahre zu mehr Abschlüssen im Internet in diesem Segment setze sich damit weiter fort, heißt es beim GDV.

Wer ist die Zielgruppe von Versicherungen im Direktvertrieb?

Den Direktvertrieb wählen besonders preisbewusste Kunden. Online-Angebote liegen vielfach unter dem Preis von persönlich vermittelten Versicherungen, weil die Kosten für den zwischengeschalteten Berater gespart werden.

Ein überraschendes Ergebnis einer Untersuchung des GDV: Online-Vertragsabschluss ist keine Frage des Alters. Von den über 60-jährigen befragten Personen haben in den vergangenen zwei Jahren nahezu genauso viele einen Online-Neuabschluss (27 Prozent) getätigt wie in der Altersklasse bis 29 Jahre (30 Prozent). Rund 36 Prozent waren es unter den 40- bis 49-Jährigen.

Wie funktioniert der Abschluss über das Internet?

Je nach Versicherung muss der Kunde auf der Webseite der Versicherung Angaben zur Person und zum Gegenstand der Versicherung machen. Bei einer Hausratversicherung muss etwa die Größe der Wohnung in Quadratmetern genannt werden. Anschließend muss der Kunde wählen, welche Leistungen im Paket enthalten sein sollen: bei der Hausratversicherung zum Beispiel, ob eine Glasversicherung hinzugebucht werden soll. Der Abschluss erfolgt nach Bestätigung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Der Versicherungsschein wird als PDF per E-Mail versandt.

Während Versicherungsmakler häufig eine begrenzte Auswahl an Versicherungen anbieten, ist das Angebot im Netz größer. Allerdings muss der Kunde bereit sein, sich mit rechtlichen Feinheiten zu beschäftigen und viel Zeit zu investieren. Das kann – je nach Versicherung – sehr aufwendig sein.

Komplexer ist der Abschluss einer Krankenversicherung oder einer Versicherung für die Berufsunfähigkeit online. Das Start-up Getsurance aus Berlin bietet bisher als einziges Unternehmen die Versicherung der Berufsunfähigkeit komplett im Internet an. Gründer Viktor Becher erklärt, dass zunächst Angaben zur Person und der Beruf abgefragt werden. Anschließend könnten die Kunden zwischen drei Leistungspaketen wählen. Je nach Paket seien weitere Fragen zur Gesundheit zu beantworten. Die Auswertung der Antworten auf die Gesundheitsfragen erfolge vollautomatisch. „Das übliche wochenlange Warten auf die Antwort des Versicherers entfällt“, erklärt Becher.

Welche Risiken gehen Kunden ein, die im Direktvertrieb eine Versicherung abschließen?

Das größte Risiko ist, sich für eine Versicherung zu entscheiden, die nicht den tatsächlichen Bedürfnissen entspricht. Schließlich bringt jeder Versicherungsnehmer individuelle Vorstellungen und auch Voraussetzungen mit. Eine Studie im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) zeigte kürzlich, dass Versicherungen, die zum Beispiel über Vergleichsportale ermittelt und dem Interessenten empfohlen werden, nicht den Bedarf des Verbrauchers decken.

„Beratung empfiehlt sich beim Abschluss jeder Versicherung“, erklärt Christian Ponzel, Sprecher des GDV. Wenn es um komplexe Versicherungen geht, dazu gehöre zum Beispiel die Lebensversicherung oder auch die Berufsunfähigkeitsversicherung, rate der GDV entschieden dazu, professionelle Beratung einzuholen. Das empfiehlt auch der Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Hamburg Christian Biernoth: „Wir raten davon ab, Versicherungen wie die Berufsunfähigkeitsversicherung online abzuschließen.“ Diese Versicherung sei existenziell wichtig. Ein falsches Produkt abzuschließen, könne fatale Folgen haben. Außerdem müssten für eine gewissenhafte Beantwortung der Gesundheitsfragen häufig medizinische Unterlagen von Ärzten angefordert werden.

Was sollten Verbraucher bei Abschlüssen im Internet beachten?

„Möchte man einen Vertrag online abschließen, sollte vorab geprüft werden, wer hinter der Internetseite steckt“, sagt Biernoth. Fragen müssten geklärt werden: Ist es ein Makler oder Versicherungsvertreter (Ersterer ist im Gegensatz zum zweiten nicht vertraglich an eine Versicherungsgesellschaft gebunden)? An wen kann ich mich wenden, wenn insbesondere inhaltliche Fragen zu den Versicherungen auftreten?

Zwar spart der Versicherungsnehmer unter Umständen die Provision für den Makler und schließt eine vergleichsweise günstige Versicherung ab. Auf der anderen Seite muss er dafür aber auch einige Nachteile beim Kundenservice in Kauf nehmen.