So einfach kann das sein, dachte Robin von Hein, als er vor einigen Jahren in Südafrika im Bus saß und schnell eine Mini-Lebensversicherung für die Tour per SMS abschloss. „Wenn so etwas in Südafrika möglich ist, warum sollte es bei uns so kompliziert sein?“, fragte sich der heute 32-Jährige, der Betriebswirtschaft für Versicherungen studiert hatte und mit den klassischen Abläufen in der Branche groß geworden war. Nach seiner versicherten Busfahrt und gründete 2012 gemeinsam mit Partnern die Firma Schutzklick.

Auf www.schutzklick.de können die Kunden Verträge unter anderem für Smartphones, Tablets, Fahrräder, Brillen, Hunde oder Heizgeräte online abschließen. Dabei agiert Schutzklick als Makler – die Verträge werden mit Versicherungsunternehmen gemacht. Der große Unterschied: „Der Vertragsabschluss erfolgt in nur wenigen Klicks“, sagt von Hein. Das Produkt werde versichert, nicht die Person.

Für den Abschluss reichen eine Email-Adresse und die Produktnummer für das Gerät, das versichert werden soll. „Dafür genügt auch eine Adresse wie ich_versichere_mein Handy@mail.de“, sagt von Hein. Die Bezahlung kann per Online-Bezahlsystemen wie Paypal erfolgen, so dass weder der Name des Kunden noch seine Kontodaten auftauchen.

Nach zwölf Monaten läuft der Vertrag automatisch aus – noch ein Unterschied zum herkömmlichen Versicherungsvertrag, der sich meistens automatisch verlängert, wenn der Kunde nicht kündigt. Auf diese Bedingung legt Schutzklick besonderen Wert. „Bei Handys ist ein unbefristeter Vertrag oft nicht sinnvoll, weil diese schnell ausgetauscht werden“, sagt von Hein. Auf Wunsch kann der Vertrag aber verlängert werden.

Schadensfrei-Bonus

Das Geschäftsmodell von Schutzklick ist eine kleine Revolution in der Versicherungsbranche. Noch immer laufen die meisten Geschäfte über die persönliche Ansprache und Beratung des Kunden durch Versicherungsvertreter, Makler oder Kreditinstitute. Eine Statistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zeigt, dass 2013 12,4 Prozent der neuen Policen in der Schaden- und Unfallversicherung im Direktvertrieb, also online, abgeschlossen wurden, ein Jahr zuvor waren es 10,4 Prozent gewesen.

„Die digitale Revolution verändert das Kommunikationsverhalten und die Ansprüche unserer Kunden“, erklärt ein Sprecher der GDV zum Phänomen digitaler Versicherungen. Das schaffe neue Märkte, neue Produkte und neue Abläufe. Er nennt als Beispiel Kurzzeitpolicen, die für ein paar Cent gekauft werden.

So bietet das Unternehmen AppSichern im Internet Versicherungsschutz für konkrete Situationen. Wer zum Beispiel sein Auto an einen Freund verleihen will, was die eigene Kfz-Versicherung nicht abdeckt, kann dies für 6,99 Euro am Tag in der App tun. Andere „Sorgenmomente“, für die AppSichern seine Leistungen anbietet, sind der Besuch im Fußballstadion, ein Kita-Ausflug oder Motorrad- oder Autorrennen.

Der GDV betont, dass die Frage nach Online oder Offline nicht entscheidend sei. „Es geht aus Kundensicht nicht mehr zuvorderst um Produkte, sondern um Bedürfnisse“, erklärt der Sprecher. Lange Gespräche am Küchentisch mit einem Versicherungsvertreter würden von den Kunden nicht mehr gewünscht.

Digitalisierung stehe deshalb auch in den Versicherungsunternehmen ganz oben auf der Tagesordnung, so der Sprecher.Die GDV empfiehlt jedoch, die Sicherheit der eigenen Daten im Auge zu behalten. „Abschluss, Verwaltung und Schadenmeldung sollten nicht nur einfach, sondern vor allem auch sicher sein.“ Hier biete die Versicherungswirtschaft „ein hohes Datenschutzniveau“, ebenso garantiere sie „sichere Kommunikation“.

Neben den Produkten und Absatzwegen verändert sich in der Branche noch mehr: Die Beziehung zwischen dem Kunden und der Versicherung wird zum Beispiel bei dem Online-Anbieter Friendsurance neu definiert. Das Unternehmen bietet im Internet Versicherungen an und lädt dazu ein, sich mit anderen Versicherungsnehmern zusammenzuschließen. Fällt kein Schadensfall an, erhalten die Versicherten eine Ausschüttung, den sogenannten Schadensfrei-Bonus.

Verantwortliches Verhalten soll honoriert werden

Als Beispiel nennt eine Sprecherin den Fall einer Haftpflichtversicherung. Friendsurance hat Partnerschaften mit einer Reihe von Versicherungen, wie Ergo, Barmenia oder der Alten Leipziger. Wer dort seine Haftpflichtversicherung hat, kann sich über Friendsurance mit anderen Versicherten zusammenschließen. „Er kann auch Leute zur Gruppe einladen“, sagt sie. Wenn die Versicherungen im Umfang zusammenpassen, bilden diese Personen einen „Schadensverbund“. Dieser kann zwischen vier und 16 Personen groß sein.

Fällt kein Schaden an, erhalten die Gruppenmitglieder eine Rückzahlung. Bei einer jährlichen Zahlung von rund 600 Euro kann die Rückzahlung bis zu 262 Euro betragen. „Für 2014 haben über 80 Prozent unserer Kunden, die den Schadensfrei-Bonus nutzen, eine Rückzahlung erhalten“, sagt die Sprecherin. Der Anreiz, etwas von dem eingezahlten Geld zurückzuerhalten, führe dazu, dass weniger Schadensfälle gemeldet würden. „Beim klassischen Modell werden manche Schäden angezeigt, obwohl sie gering sind, um die Versicherung endlich zu verwenden.“

Hier kommt die ursprüngliche Idee der Friendsurance-Gründer ins Spiel. Sie ließen sich von der Vergangenheit inspirieren. „Schon vor Hunderten von Jahren haben sich Menschen gegenseitig in kleinen Gruppen bei Schäden unterstützt. Das war sehr einfach und vor allem effizient“. Damit Versicherungen fair würden, solle verantwortliches Verhalten honoriert werden. Wer seine Police nicht in Anspruch nehme, solle belohnt werden.