Versorgung mit Lebensmitteln auf dem Land: Jeden Tag schließt ein Bäcker

Berlin - Die Versorgung mit Lebensmitteln wird für immer mehr ältere Menschen in ländlichen Regionen zum Problem. In kleinen Gemeinden hat nur noch eine Minderheit Zugang zu fußläufig erreichbaren Lebensmittelgeschäften. Dies geht aus einer Studie der Raumentwicklungs-Initiative „Nahversorgt“ auf Grundlage von vier beispielhaft untersuchten Landkreisen hervor, die von der Bundestagsfraktion der Grünen in Auftrag gegeben wurde.

Die Kombination aus Landflucht und Bevölkerungsalterung führt in manchen Regionen der Republik bereits heute zu gravierenden Versorgungsproblemen. Wenn die Politik nicht gegensteuere, werde der Trend zur „demografischen Verstädterung“ in den kommenden 15 Jahren deutlich an Tempo gewinnen, heißt es in der Untersuchung.

Demnach schließen rein statistisch jeden Tag 1,5 Lebensmittelgeschäfte mit Verkaufsflächen von weniger als 400 Quadratmetern, wie sie für kleine Gemeinden typisch sind. Hinzu kommen je ein Bäckerfiliale und eine Metzgerei, die pro Tag aufgeben. Die Zahl der kleinen Lebensmittelläden sank zwischen 2007 und 2013 um fast 34 Prozent von 8900 auf unter 5000, die der Bäcker- und Fleischerfachbetriebe von rund 32 000 auf 27 000.

„Geht die Entwicklung ungebremst weiter, können wir auch in kleineren Städten bald nicht mehr ohne lange Autofahrten Brot oder Wurst einkaufen“, sagte Markus Tressel, Sprecher für ländliche Räume der grünen Bundestagsfraktion. „Es ist höchste Zeit, die Ansiedlung von Läden zur Grundversorgung aktiv zu steuern und sie ins Planungsrecht aufzunehmen.“ Die vielen bisherigen Förderinitiativen hätten kaum Wirkung gezeigt, heißt es in der Studie. Zwar könne nicht jedem Dorf ein Dorfladen garantiert, aber die Mobilitätsstrukturen verbessert werden, um Einkaufsmöglichkeiten für alle zu erschließen.