Viagogo: Verbraucherschützer raten vom Kauf bei der Ticketbörse ab

Köln - Nervös sitzen Fans vor dem Rechner, wenn der Vorverkauf für Konzertkarten der Lieblingsband startet – immer wieder zuckt der rechte Finger auf der Maus, um schnell den runden Pfeil im Browser zu klicken, um die Seite neu zu laden. Doch aus der Vorfreude auf das Konzert wird oft Frust: bei beliebten Gruppen wie Coldplay oder den Toten Hosen sind die Tickets meist innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Verzweifelt suchen Fans teils trotzdem noch nach einer Möglichkeit, ihre Lieblingsmusiker live zu sehen und landen schnell bei „Viagogo“. 

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen warnt auf seiner Internetseite vor Ticketkäufen bei dem Schweizer Unternehmen. Der Grund: die Preise sind hoch und die Käufer tragen ein hohes Risiko. Das Problem für viele Kunden – sie denken, dass sie bei einem offiziellen Ticket-Verkaufsportal ihre Eintrittskarte kaufen, dabei ist „Viagogo“ nur eine Ticketbörse. Man kauft also Tickets von einem privaten Verkäufer, das Schweizer Unternehmen vermittelt nur.

Versteckte Gebühren machen das Ticket noch mal teurer

Die Verbraucherzentrale Bayern hat im Rahmen des Projekts „Marktwächter Digitale Welt“ die Preisaufschläge von „Viagogo“ bei Konzerten im April und Mai 2019 in München untersucht. Bei besonders beliebten Veranstaltungen war der Preis bei „Viagogo“ um das Achtfache teurer als das Originalticket. Durchschnittlich lag der Preis für die 93 Veranstaltungen in der bayrischen Landeshauptstadt bei 37 Euro, bei der Ticketbörse hingegen bei einem Durchschnittspreis von 103 Euro – also dreimal so teuer. 

Die Verbraucherschützer haben auch eine Kostenfalle des Portals untersucht – versteckte Gebühren. Kunden bekommen am Anfang einen günstigeren Preis angezeigt, als sie letztendlich Zahlen müssen. Bei der Untersuchung war ein Ticket dadurch am Ende des Bestellvorgangs durchschnittlich um 50 Prozent teurer als der Startpreis. Die Versandkosten für ein Ticket liegen zum Beispiel bei stolzen 15 Euro und für ein E-Ticket fällt eine Bearbeitungsgebühr von sechs Euro an, heißt es im Faktenblatt zur Untersuchung.

Kunden beklagen schlechte Kontaktmöglichkeit

Kunden müssen für die Eintrittskarten für Konzert- oder Sportveranstaltungen nicht nur sehr hohe Preise zahlen, sie tragen als Käufer auch das komplette Risiko. Zwar verspricht „Viagogo“ seinen Kunden eine Garantie für den Erhalt des Tickets aus, doch diese sei „irreführend und wertlos“, heißt es in einer Mitteilung der Marktwächter.

Die Verbraucherschützer erhalten viele Beschwerden, dass Kunden ihre Reklamationen gar nicht anbringen können, weil die Ticketbörse nur ein Kontakt-Formular mit eingeschränkter Themenauswahl anbietet. Auch bekommen viele Käufer Probleme mit den Tickets, weil der Name einer anderen Person auf dem Ticket steht und ihnen damit der Zutritt verweigert wird. Oder es werden Fake-Tickets angeboten für Veranstaltungen, die es nicht gibt oder deren Datum noch nicht fest steht. 

Verbraucherschützer haben „Viagogo“ bereits verklagt

Die Marktwächter der Verbraucherzentrale Bayern haben die Ticketbörse im April 2018 vor dem Landgericht München verklagt. Das Urteil erwarten die Verbraucherschützer am 4. Juni. Bei der Klage kritisieren sie vor allem, dass „Viagogo“ wie ein Online-Tickethändler auftritt, aber eine Ticketbörse ist. 

Für Kunden sei es kaum erkennbar, dass sie nicht bei einer offiziellen Vorverkaufsstelle sind. Kunden können Karten für mehrere Events suchen und beim Kaufvorgang werde nicht „transparent genug hingewiesen“, dass die Ticketbörse nur zwischen Käufern und privaten Verkäufern vermittelt.

Was Käufer bei Problemen mit „Viagogo“ tun können

Wer ein personalisiertes Ticket oder ein Fake-Ticket bei der Plattform gekauft hat, kann sich laut Verbraucherschützern dagegen wehren. Bei personalisierten Karten sollten Kunden beim Veranstalter die Situation schildern und versuchen das Ticket auf sich umschreiben zu lassen. Funktioniere das nicht, sollten Käufer bei dem Zwischenhändler das Geld zurückverlangen, weil das Ticket für sie so nicht nutzbar sei.

Bei Fake-Tickets könnten Käufer den Vertrag mit der Ticketsbörse anfechten. Bei Problemen mit europäischen Unternehmen können sich Verbraucher an das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland wenden. Außerdem betreut die Ombudsstelle E-Commerce des schweizerischen Konsumentenforums Beschwerden von deutschen Verbrauchern gegen Unternehmen mit Sitz in der Schweiz – wie „Viagogo“.