Berlin/Hongkong - An der Hongkonger Börse wird seit heute die Aktie des chinesischen Video-App-Konzerns Kuaishou gehandelt. Der Ansturm auf die Papiere des Unternehmens war zum IPO des Unternehmens riesig. Gleich nach dem Börsenstart verdreifachte sich der Kurs der Kuaishou-Aktie. Seit dem Börsengang des Fahrdienstleisters Uber im Jahr 2019 gab es kein vergleichbares Börsendebüt. Kuaishou zählt zu den führenden Social-Media-Unternehmen Chinas. Die Video-App des Unternehmens ist vor allem in den kleinen und mittleren Städten abseits der bekannten chinesischen Metropolen sehr beliebt. Nach Unternehmensangaben hat die Kuaishou-App mehr als 300 Millionen tägliche Nutzer.

Der Ausgangskurs von 115 Hongkong-Dollar (12,40 Euro) wurde schnell übertroffen, mittlerweile notiert die einzelne Aktie bei über 300 Hongkong-Dollar (32,30 Euro). Bei dem Börsengang wurden über 41,28 Milliarden Hongkong-Dollar (4,44 Milliarden Euro) eingenommen, das Unternehmen ist damit auf Anhieb 133 Milliarden Euro wert.

Die Kaufkraft chinesischer Internetnutzer ist enorm

Bereits vor dem offiziellen Handelsstart hatte es einen regen Handel mit den Papieren des Unternehmens auf dem grauen Kapitalmarkt gegeben. Der enorme Börsenwert des Unternehmens erklärt sich durch die Größe des chinesischen Binnenmarkts – in China gibt es über eine Milliarde Internetnutzer und deren Kaufkraft steigt beständig.

Kuaishou bedeutet „schnelle Hand“. Der Name spielt auf die Funktionsweise der App an. Die User können mit ihrer Hand schnell zwischen den Kurzvideos und Live-Streamings in der App hin- und herwischen. Der größte Teil der Einnahmen des Unternehmens stammt aus dem Live-Streaming-Geschäft, bei dem die Nutzer virtuelle Gegenstände kaufen und verschenken können. Kuiashou ist bis heute nicht profitabel, aber das Geschäft mit dem Onlinehandel wächst sehr schnell. Es bestehen zahlreiche Kooperationen mit den chinesischen Branchenriesen des E-Commerce, wie Taobao und JD.com. Zusätzliche Einnahmen entstehen durch Werbedeals und Sponsoringverträge.

Das Börsengeschäft in China ist hoch reguliert

Zuletzt hatte das Verschwinden vom Alibaba-Gründer Jack Ma und der gestoppte Börsengang der Ant Group die Stimmungen auf den chinesischen Handelsplätzen getrübt. Bei Investoren bestand die Sorge, dass die chinesische Regierung die Macht der Tech-Konzerne brechen würde. Es wurde befürchtet, dass eine stärkere Internetregulierung das Geschäftsmodell der Internetriesen weniger profitabel machen würde. Auch Kuaishou weist im Börsenprospekt vorsichtig auf dieses Risiko hin, dass Internet-Geschäft in China sei „hoch reguliert“.

Für den Börsenplatz Hongkong ist der gelungene Start der Kuaishou-Aktie gleich doppelt wichtig: Nachdem chinesische Firmen auf amerikanischen Handelsplätzen zunehmend mit regulatorischen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, etabliert sich Hongkong als alternativer Standort. Anders als Alibaba, wurde die Kuaishou-Aktie in den USA gleich gar nicht gelistet. Gleichzeitig schärft die Hongkonger Börse mit dem aktuellen Börsengang auch ihr Profil als bedeutender Handelsplatz für Technologieunternehmen. Unlängst hat die Hang Seng Indexes Company, die die Hongkonger Börse betreibt, einen Index aufgelegt, der dem großen, amerikanischen Technologieindex Nasdaq erstaunlich ähnelt – China fordert die USA nunmehr auch in der Welt der Börse heraus.