Die Corona-Krise trifft die Gründer in besonderem Maße.
Foto: Unsplash/Headway

BerlinLange gab es in der Start-up-Szene fast ausschließlich positive Meldungen zu verkünden. Von Rekordfinanzierungen und Gründungen am Fließband – insbesondere in Berlin ist die Start-up-Dichte hoch. Doch die Corona-Krise trifft nun auch die Gründer in besonderem Maße.

Lesen Sie unseren Corona-Newsblog für Berliner und Berlinerinnen

Zwar gibt es auch derzeit eine Reihe von Start-ups, die mit ihren digitalen Geschäftsmodellen von der Krise geradezu profitieren können, den Großteil treffen jedoch vielmehr die negativen Auswirkungen. Gerade am Anfang stehende Unternehmen sind auf externe Finanzierungen angewiesen, die nun ausbleiben. Größere Finanzierungshilfen des Staates sind zudem nicht auf die Bedürfnisse kleiner und junger Unternehmen abgestimmt. Das beklagt der Bundesverband Deutscher Start-ups.

Start-ups fallen durchs Raster der Hilfsprogramme

Nach einer am Dienstag vom Verband veröffentlichten Umfrage unter knapp 1000 Gründern, geben neun von zehn Start-ups in Deutschland an, negativ von der Corona-Krise betroffen zu sein. Jedes siebte junge Unternehmen, schätzt die wirtschaftlichen Einbußen sogar für so groß ein, dass um die Existenz gefürchtet werden müsse.
„Das Start-up-Ökosystem steht angesichts der Corona-Krise vor einem massiven Start-up-Sterben“, sagt Christian Miele, Präsident des Start-up-Verbands. „Wenn wir nicht schnell und substanziell handeln, dann werden die ersten Start-ups schon in wenigen Wochen in die Knie gehen.“

Wie ältere Unternehmen auch, sind Start-ups von starken Umsatzrückgängen betroffen. Hinzu komme, so Miele, dass viele junge Unternehmen durch das Raster der vom Staat auferlegten Hilfsprogramme fallen. So könnten sie nicht die geforderten Bedingungen für KfW-Kredite erfüllen, auch hätten sie zum Teil gar keine Hausbanken, die für die Kreditaufnahme nötig sind. Vom geplanten Stabilisierungsfonds (WSF) der Bundesregierung sollen zwar auch Start-ups profitieren, allerdings erst bei einem Firmenwert von 50 Millionen Euro – was wohl nur einen kleinen Teil der Branche betrifft.

Scholz: Neues Start-up-Programm

„Wir sehen, dass es da Schwierigkeiten gibt und wollen nachbessern“, sagt Thomas Jarzombek, Beauftragter für Start-ups im Bundeswirtschaftsministerium. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) sagte am Montag bei einer Pressekonferenz auf Nachfrage außerdem, dass demnächst ein von der KfW-gestütztes Programm aufgelegt werden soll, dass sich gezielt an Start-ups richtet. Den Ergebnissen der Umfrage nach müsste eine Nachsteuerung der Hilfen jedoch schnell passieren. So gaben rund 76 Prozent der Start-ups an, dass konkrete Hilfen in den nächsten beiden Monaten nötig wären.

Momentan sind zumindest Kurzarbeitergeld und Soforthilfen von 9000 oder 15.000 Euro je nach Mitarbeiterzahl zugänglich. Auch steuerliche Unterstützungsmaßnahmen gelten genauso für Start-ups.
Der Start-up-Verband sieht die Lösung außerdem in einem sogenannten Matching-Fonds, bei dem privaten Investitionen eine entscheidende Rolle zukommt und öffentliche Gelder lediglich dazu genutzt werden sollen aufzustocken. Immerhin, vor der Krise war viel privates Kapital da: Allein 2019 wurde eine Summe von 6228 Millionen Euro in Deutsche Start-ups gepumpt.