Volkswagen verkauft bald sein Werk in Russland: Wie die Chinesen profitieren

Alles spricht dafür, dass der Volkswagen-Konzern sein Werk im russischen Kaluga bald verkauft. Für die Chinesen ist das eine gute Nachricht.

Wladimir Putin 2009 in einem russischen VW-Werk in Kaluga.
Wladimir Putin 2009 in einem russischen VW-Werk in Kaluga.dpa/AFP/epa Natalia Kolesnikova/Pool

In den nächsten Wochen will der VW-Vorsitzende Oliver Blume verkünden, wie es mit dem verbliebenen Werk in Kaluga (Russland) weitergeht. „Eine Alternative ist, unser Geschäft dort zu verkaufen“, sagte Blume in einem NDR-Interview.

In Russland spricht derzeit alles dafür, dass das Werk verkauft wird. Wie das russische Geschäftsportal RBC berichtet, gibt es derzeit mehr als zehn Kaufinteressenten für das Werk, vor allem die russische Händlerholding Avilon, die schon länger VW-Autos veräußert.

In einem frisch veröffentlichten Jahresfinanzbericht des deutschen Autoherstellers werden auch die Pläne erwähnt, die Finanzstrukturen von Volkswagen in Russland im ersten Halbjahr 2023 zu verkaufen. Die Rede ist von den Unternehmen Volkswagen Bank Rus LLC, Volkswagen Group Finance LLC und Volkswagen Financial Services Rus LLC. Diese Unternehmen beschäftigten sich mit der Bereitstellung von Krediten und anderen Finanzdienstleistungen für Autokäufer sowie Händler des Volkswagen-Konzerns.

Volkswagen-Werk in Kaluga steht seit dem März 2022 still

Und wie ist es um das einzige VW-Werk in Kaluga bestellt, das seit der Eröffnung 2007 bis zu 150.000 VW-Modelle im Jahr produzierte? Die Autoproduktion in Kaluga wurde bereits Anfang März 2022 als Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine eingestellt. Der Volkswagen-Konzern, der keine eigenen Händler in Russland hatte, hat seitdem keine Lieferverträge mehr mit seinen offiziellen russischen Händlern und Partnern abgeschlossen und hat selbst auf die Aktualisierung der Servicegeräte-Software seiner Händler verzichtet. Die EU-Sanktionen haben im Automobilsektor nur die Einfuhr von teuren Luxus-Autos nach Russland beschnitten, also hat der Konzern wie viele andere Unternehmen eine freiwillige Entscheidung unter anderem wegen der gestiegenen Geschäftsrisiken getroffen.

Die Kenner des russischen Automobilmarktes sind sich einig, dass nach dem bevorstehenden Verkauf des Werks in Kaluga an einen unabhängigen Investor die Produktion bzw. die Montage vom Modell Volkswagen Jetta, den Volkswagen gemeinsam mit dem chinesischen Autokonzern FAW für den chinesischen Markt herstellt, in Russland weiterlaufen könnte. Teile für die Autos sollten aus China geliefert werden.

Im Konzern wurde zuvor zwar ein Verbot für seine Händler in China angekündigt, damit VW-Autos nicht direkt von China nach Russland verkauft werden können. Dies hat die Ausstellung solcher Autos in russischen Autohäusern jedoch nicht verhindert. Die Autos, die Volkswagen in China herstellt, werden in Russland gerade von der Händlerholding Avilon verkauft. Sie gelangen nach Russland über sogenannte Parallel-Importe, also über dritte Länder. Die Berliner Zeitung hat bereits unter Verweis auf die Marktteilnehmer in Russland berichtet, dass auch die Zusammenarbeit mit VW-Zulieferern in der Türkei möglich wäre. Allerdings blockiert die Türkei seit kurzem den Transit von Sanktionswaren nach Russland.

Darüber hinaus berichtete der Konzern zuletzt über die im Dezember erzielte Einigung über den Verkauf von Porsche-Niederlassungen in Russland in den nächsten zwölf Monaten an einen nicht mit dem deutschen Konzern verbundenen Investor. Die Rede ist von den Unternehmen Porsche Russland LLC, Porsche Center Moscow LLC und Porsche Financial Services Russland. Wer der Käufer ist, ist noch unbekannt. Nicht ausgeschlossen ist jedoch, dass einzelne Autos der VW-eigenen Marke auch weiterhin in Russland verkauft werden könnten, nur ohne direkte Beteiligung des Volkswagen-Konzerns.

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