Frankfurt - Den Umtausch der ostdeutschen Mark eins zu eins in die D-Mark konnte er 1990 nicht verhindern. Dennoch galt Karl Otto Pöhl weit über ein Jahrzehnt als einer der mächtigsten Notenbanker der Welt. Der frühere Bundesbank-Präsident starb am Mittwoch kurz nach seinem 85. Geburtstag.

Die Inflation verglich der gelernte Journalist und studierte Volkswirt gern mit Zahnpasta. Sei sie aus der Tube entwichen, sei es schwer, sie wieder hineinzubekommen. Daher dürfe man niemals zu hart auf die Tube drücken. Unter Pöhls Führung gelang es der Bundesbank in den 80er Jahren, die hohen Inflationsraten der 70er Jahre zu senken auf Werte um die zwei Prozent.

In Erinnerung bleiben wird Pöhl auch als Gegenspieler von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) bei der Gestaltung der deutschen Einheit. Als oberster deutscher Geldpolitiker prophezeite er dem Osten „katastrophale Zustände“ nach der Währungsunion, weil die Wirtschaft zwischen Rügen und Erzgebirge die Kostensteigerung durch die enorme Aufwertung nicht verkraften könne. Ähnlich hatte damals SPD-Spitzenpolitiker Oskar Lafontaine argumentiert. Pöhl, der ebenfalls der SPD angehörte, konnte sich jedoch nicht durchsetzen und fühlte sich immer mehr wie ein einsamer Rufer in der Wüste. Aus Frustration über Kohls Drängen auf die rasche innerdeutsche Währungsunion trat Pöhl 1991 zurück – vier Jahre vor Ende der Amtszeit.

Für die Unabhängigkeit der Bundesbank

„Der Wechselkurs, zu dem die Ost-Mark gegen die West-Mark getauscht wurde, entsprach mit Sicherheiten nicht den ökonomischen Realitäten“, beharrte Pöhl. Allerdings räumte er Jahre nach seinem Abtritt doch Fehler in der Beurteilung ein. Ökonomisch sprach viel dafür, der DDR-Wirtschaft eine eigene Währung zu erhalten, um sie vor der Konkurrenz der westlichen Industriekonzerne eine Zeit lang zu schützen. Doch politisch wäre das kaum durchsetzbar gewesen, schon weil die Menschen in Brandenburg. Sachsen und Thüringen nicht auf die D-Mark gewartet hätten, sondern zu ihr gezogen wären.

Mit seinem Widerstand gegen die Bundesregierung stand der Vater von vier Kindern aber dauerhaft für die Unabhängigkeit der Notenbank. Diese dürfe kein Instrument der Politik sein, betonte er. Als seinen größten Erfolg wertete er, dass unter seiner Führung das Statut der Europäischen Zentralbank (EZB) nach dem Vorbild der Deutschen Bundesbank geschaffen wurde.

Pöhl arbeitete in den 70er Jahren für Kanzler Willy Brandt (SPD) als Berater und für Finanzminister Helmut Schmidt (SPD) als Staatssekretär. 2005 trat er aus der SPD aus, weil seine Partei nach seinem Geschmack zu viel über Kündigungsschutz und Mindestlohn rede. „Das bremst doch nur“, meinte Pöhl. Von 1992 an leitete er als Sprecher die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim, wo er 1998 altersbedingt aus der Geschäftsführung ausstieg. Seinen Lebensabend verbrachte er in der Schweiz.