Es war keine leichte Entscheidung für Premierminister Shinzo Abe, die Olympischen Spiele 2020 zu verschieben.
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TokioEin Jahr später soll das Riesenspektakel nun beginnen. Olympia in Japan in Tokio wird wegen der Corona-Krise verschoben, auf Sommer 2021. Und warum kam dieser Entschluss so spät? Die Antwort ist banal: Das politische, ökonomische und finanzielle Kapital, das in Japan eingesetzt worden war, schien lange Zeit zu hoch, um die Spiele absagen zu können.

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Seit seinem Amtsantritt als Premierminister Ende 2012 hat Shinzo Abe damit geworben, Olympia nach Japan zu holen und damit eine neue Ära des Landes einzuläuten. Auf Jahre der ökonomischen Stagnation sollte neues Wachstum folgen, angetrieben durch moderne Infrastruktur und einen Schub der Internationalisierung.

Akute Krise in Japan möglich

Abe machte die Olympischen Spiele zum Fernziel seiner Wirtschaftspolitik. Eine Kombination aus höheren Staatsausgaben, einer noch lockereren Geldpolitik sowie wachstumsfördernden Strukturreformen sollte in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt eine neue Boomära auslösen. Doch nach einer anfänglichen Euphoriewelle kam die Sache bald ins Stocken. Die Wachstumszahlen unterscheiden sich mittlerweile kaum noch von den Jahren vor Abes Amtsantritt.

Nun droht sogar eine Rezession. Im vierten Quartal 2019 führten eine Mehrwertsteuererhöhung von acht auf zehn Prozent sowie der Schaden durch den Taifun Hagibis dazu, dass die japanische Wirtschaft um gut sechs Prozent schrumpfte. Angesichts der Einschränkungen des ökonomischen Lebens, die die Krise um Covid-19 nun seit Wochen erfordert, ist damit zu rechnen, dass auch das erste Quartal dieses Jahres einen Rückgang verzeichnen wird. So ist wahrscheinlich, dass Japan im Sommer 2020, wenn Premierminister Abe eigentlich den Höhepunkt eines olympiabefeuerten Booms feiern wollte, in einer akuten Krise stecken wird.

Vor Corona: 40 Millionen Touristen erwartet

Dabei gehört eine Rezession noch zu den geringeren Problemen. Würde Olympia komplett ins Wasser fallen, was nach wie vor möglich scheint, so schätzt die Großbank Sumitomo Mitsui auf eine Reduktion des jährlichen Wirtschaftswachstums um 1,4 Prozentpunkte. Beim ohnehin eher geringen Wachstumspotenzial Japans könnte dies auf eine Jahresnull hinauslaufen. Unternehmenserlöse fielen der Schätzung zufolge im Vergleich zum Vorjahr sogar um 24,4 Prozent. Doch selbst wenn die Olympischen Spiele trotz allem wie geplant stattfinden, reduziert sich das Wachstum für 2020 laut Sumitomo Mitsui immer noch um 0,9 Prozentpunkte.

Vor allem das derzeitige Ausbleiben von Tourismus fällt schwer ins Gewicht. Eine weitere Schätzung geht schon bei der Verschiebung der Spiele von Kosten in Höhe von umgerechnet 5,8 Milliarden US-Dollar aus. Diverse japanische Hotelketten haben schon ihre Erlösprognosen gesenkt, Reiseunternehmen erwarten nun Ausfälle, die sich auf den Gegenwert fast eines ganzen Jahres belaufen könnten. Für 2020 hat Japan eigentlich den Rekordwert von 40 Millionen Touristen aus dem Ausland angepeilt.

Fragen, die keiner beantworten möchte

Doch die Probleme enden auch hier nicht. Wie keine Olympiaauflage zuvor hat es „Tokyo 2020“ geschafft, Sponsorengeld aus der Wirtschaft einzuspielen. Insgesamt drei Milliarden US-Dollar haben gut 60 japanische Unternehmen ersten Ranges in den Topf geworfen. Das ist knapp dreimal so viel, wie es 2012 London gelungen war. Den Sponsoren ist im Gegenzug garantiert worden, sie würden im Glanz von Olympia strahlen. Es könnten Kontakte zu neuen Märkten entstehen, zumindest aber große internationale Sichtbarkeit.

Und wenn dieses Event nun deutlich verspätet stattfindet? Erhalten die Sponsoren einen Teil ihrer Gaben zurückerstattet? Es ist eine von mehreren Fragen, die derzeit niemand der Offiziellen beantworten möchte.

Auch im Bezug auf den Versicherungsfall gibt es kaum Antworten. Die US-amerikanische Investmentbank Jefferies schätzt, dass rund um die Tokioter Spiele insgesamt Versicherungen im Wert von zwei Milliarden US-Dollar aufgenommen wurden. Aber wer gegen einen Ausfall oder eine Verschiebung des Events durch eine Pandemie versichert ist, darüber herrscht Schweigen.