Ein Überblick über die Ausgaben der Berliner 2019.
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BerlinJa, das Leben in Berlin ist wieder teurer geworden. Nicht nur die Mieten gingen 2019 in dieser Stadt nach oben, sondern auch die Preise für Nahrungsmittel und einiges mehr. Das Statistische Landesamt hat für das vergangene Jahr eine durchschnittliche Preissteigerung um 1,3 Prozent errechnet. Das war immerhin weniger als 2018, als die durchschnittliche Teuerungsrate noch bei zwei Prozent lag. Zudem stiegen die Preise im vorigen Jahr sogar noch etwas langsamer als im Bundesdurchschnitt. Denn deutschlandweit gingen die Preise um 1,4 Prozent nach oben.

Dennoch bleibt es dabei: Vieles wurde teurer in Berlin. Was aber auch stimmt: Die Löhne und Gehälter in dieser Stadt stiegen im vergangenen Jahr noch schneller als die Preise. Zumindest in den ersten neun Monaten – das sind die aktuellsten Daten – verdienten die Berliner im Schnitt 3,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Reallohnzuwachs in Berlin lag somit bei durchschnittlich 1,9 Prozent. Trotz höherer Preise hatten die Berliner also mehr im Portemonnaie.

750 Produkte und Dienstleistungen

Aber wie bei den Einkommen so geht es auch bei der Teuerungs- oder Inflationsrate um einen Durchschnittswert. Statistiker ermitteln die Preissteigerung monatlich auf der Grundlage eines sogenannten Warenkorbs. Rund 750 Produkte und Dienstleistungen sind darin enthalten. Es ist quasi alles, was zum täglichen Leben benötigt wird. Der Inhalt dieses virtuellen Einkaufwagens reicht von Nahrungsmitteln über Bekleidung, den Ausgaben für die Wohnung, für Kultur und Freizeit bis hin zu Versicherungspolicen. Es geht um Kekse und Kinotickets, Kondome und Tischdecken, Särge und Autobatterien.

Es lohnt sich also ein genauerer Blick auf die einzelnen Warenkorbpreise, die das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg für Berlin ermittelte. Denn erst dann werden aus 1,3 Prozent mehr, tatsächlich Preisentwicklungen, die im täglichen Leben in dieser Stadt ganz unterschiedlich wahrgenommen wurden. Fleisch- und Fischliebhaber etwa mussten 2019 ihr Haushaltsbudget um 20 Prozent aufstocken. Kaffee- und Milchtrinker konnten sparen, Fahrradfahrer auch. Für Autobesitzer wurde indes vieles teurer.

Und die Daten der Statistiker zeigen auch, warum 2019 im besten Fall der Geschirrspüler oder die Waschmaschine statt des Kühlschranks kaputt ging. Warum es Raucher besonders schwer hatten, mit dem Rauchen aufzuhören, wie die Afrikanische Schweinepest im fernen Asien hierzulande die Bratwurst verteuerte, und warum die Gleichstellung von Mann und Frau in den allermeisten Berliner Friseursalons im Jahr 2019 noch weiter in die Ferne rückte. Lauter Preisfragen sozusagen.

Es sprach schon immer viel dafür, den Tag mit einem guten Frühstück zu beginnen. Im vergangenen Jahr lohnte es sich sogar. Denn frische Schrippen vom Bäcker wurden billiger, Tiefkühlbrötchen dagegen teurer. Gesünder ging es freilich auch, kostete aber extra. Haferflocken, Knäckebrot, Müsli – alles teurer.
Dass weniger Fleischverzehr gut für das Klima ist, weiß man. 2019 war es zudem finanziell von Vorteil. Denn die Preise für Schweinefleisch, Geflügel und Fisch stiegen zum Teil zweistellig. Zugleich geriet der klassische Grillabend zum Luxus. Denn Bratwurst, Bier und Grillsoße kosteten ebenfalls mehr.
Wer sich für das vergangene Jahr vorgenommen hatte, seinen Fettkonsum zu reduzieren, der musste sehr stark sein. Denn bei Milch und Sahne fielen die Preise. Der von Butter verbilligte sich 2019 sogar um mehr als elf Prozent. Dagegen wurde Margarine teurer, die Fitnessstudiogebühr übrigens auch.
An den Preisschildern der Obst- und Gemüsestände waren im vergangenen Jahr die Auswirkungen der anhaltenden Trockenheit abzulesen. Geringere  Ernteerträge machten vor allem die Kartoffeln teurer. Außerdem stieg die Nachfrage bei den Verarbeitern. Folge: Der Pommes-Preis wuchs zweistellig.
Dass Kaffee hierzulande das beliebteste Getränk noch vor Mineralwasser und Bier ist, mag Erstaunen auslösen, ist aber so. Und 2019 hat sich daran sicher nichts geändert. Denn Kaffee wurde billiger, während etwa Mineralwasser, Tee und Cola teurer wurden. Einziger Preiskonkurrent: Apfelsaft – minus zwölf Prozent.
Das Rauchen blieb eine zuverlässig effektive Art des Geldverbrennens. Im März stieg der Preis für eine 20er-Zigarettenpackung um 30 Cent auf 6,70 Euro. Auch loser Tabak kostete mehr. Wer die Entwöhnung wagte, brauchte eine starken Willen. Denn Kaugummi und Gummibärchen wurden ebenfalls teurer.
Nirgendwo sind höhere Preise in dieser Stadt so überraschungsfrei wie im Bereich Wohnen. Dass die Mieten um 1,4 Prozent nach oben gingen, ist aber nur die halbe Wahrheit, weil das nur die Bestandsmieten betrifft. Die Angebotsmieten stiegen 2019 um drei Prozent. 2018 waren es noch etwa 13 Prozent.
Das ist quasi die Preisentwicklung zur Verkehrswende: Neuwagen wurden teurer – Pkw-Inspektionen, Garagenmieten und Parkgebühren auch. Fahrräder kosteten dagegen weniger, BVG-Tickets nicht mehr. Der Haken: Die BVG hatte die Preiserhöhung nur aufgeschoben. Am 1. Januar wurde der Einzelfahrschein 3,5 Prozent teurer.
Dass die Gleichstellung von Mann und Frau an der Schwelle eines Friseurgeschäfts endet, belegen die Preislisten dort. Fast immer sind diese nach Geschlechtern getrennt, und seit je her zahlen Frauen für einen Haarschnitt mehr als Männer. Hat sich das 2019 geändert? Nein. Die Preisdifferenz wurde in Berlin sogar noch größer.
Wenn im vergangenen Jahr technisches Haushaltsgerät überraschend seinen Dienst quittierte, dann war es bestenfalls die Nähmaschine, der Geschirrspüler oder der Akkuschrauber. Denn dort fielen die Preise. Kühl- und Gefrierschränke wie auch Backöfen und Herde wurden indes teurer.
Mit der Kultur war das in Berlin auch 2019 wieder so eine Sache: Ein riesiges Angebot konkurrierte mit billigen Alternativen. So waren Kino-, Theater- und Museumsbesuche teurer als im Jahr zuvor, Bücher ebenso, solche für Kinder sogar viel teurer. Dagegen wurden Fernsehgeräte, DVDs und Spielekonsolen billiger.
Für Bekleidung mussten die Berliner 2019 nicht viel mehr ausgeben als 2018. Um ein halbes Prozent stiegen die Preise im Schnitt. Familien konnten sogar sparen, weil Kinderbekleidung oft billiger wurde. Und auf teure Socken konnte man im immer wärmeren Berlin auch mal verzichten.