Für die Credit Suisse kommt es knüppeldick. Das Kerngeschäft der traditionsbewussten Schweizer Bank dümpelt seit geraumer Zeit vor sich hin. Längst gilt sie als Übernahmekandidat. Vor allem Verlustmeldungen und Skandale wie rund um die Greensill-Fonds prägten zuletzt das Bild. Dabei verkaufte die Bank ihren Kunden angeblich sichere und teuer versicherte Kredite – bis die Blase platzte. Für die Kunden blieb ein Milliardenschaden.

Credit Suisse: Unterlagen wurden anonym zugespielt

Und jetzt das: Über Jahre hinweg soll die Bank wissentlich Kriminelle, darunter Autokraten, Drogendealer, Mörder und mutmaßliche Kriegsverbrecher als Kunden akzeptiert haben. Das berichtet ein internationales Journalistenteam, das anonym zugespielte Daten aus dem Geldinstitut ausgewertet hat. Es geht in dem Bericht um Konten von 37.000 Kunden aus aller Welt, die meisten davon aus Entwicklungsländern. Die Bank, so der Vorwurf, habe gewusst, dass sie mit Kriminellen Geschäfte macht. Der Subtext: Es interessierte sie nicht. Geld schlägt Moral. Die Credit Suisse wies die Vorwürfe „entschieden“ zurück.

Das verwundert zunächst nicht. Alles abstreiten, die Hände in Unschuld waschen ist ein bekanntes, oft erprobtes Mittel der Krisenkommunikation. Erfolgreich ist es selten. Es wäre im eigenen Interesse der Bank, den Vorwürfen nachzugehen, Aufklärung zu betreiben. Einmal mehr werfen die Vorfälle ein Schlaglicht auf das Schweizer Bankgeheimnis, das als eines der härtesten der Welt gilt. Und das schon zu oft als Feigenblatt herhalten musste, um dubiose Geschäfte zu verschleiern.

Bezeichnend ist, dass kein einziges Schweizer Medium an der Recherche beteiligt war. Journalisten droht hier Gefängnis, wenn sie geheime Informationen zu Bankkonten weitergeben oder veröffentlichen. Freie Meinungsäußerung? Sie hat mitunter enge Grenzen. Im Land der Eidgenossen liegt einiges im Argen.