Ausgerechnet im schwersten Jahr seiner Geschichte holt der Volkswagen-Konzern den Titel des Auto-Weltmeisters. Nachdem nun auch Toyota seine Verkaufszahlen gemeldet hat, steht fest, dass die Wolfsburger mit 10,3 Millionen (ein Plus von 3,8 Prozent)  verkauften Pkw, Transportern und Lkw knapp vor dem japanischen Rivalen lagen. Der setzte etwa 140.000 Fahrzeuge weniger ab. Es ist das erste Mal seit fünf Jahren, dass Toyota den Spitzenplatz abgeben musste, und es ist das erste Mal überhaupt, dass Volkswagen ganz oben steht.

China ist Erfolgsfaktor Nummer eins

Hauptfaktor für Volkswagens Platz ganz oben auf dem Treppchen ist China. Der Absatz von knapp vier Millionen Fahrzeugen zeigt, wie abhängig der Konzern inzwischen von der Volksrepublik ist, wo die kommunistische Regierung auch auf dem Automarkt – dem größten der Welt – massiv versucht zu lenken. Im vorigen Jahr wurden die Verkäufe durch Steuererleichterungen für Käufer massiv angekurbelt. Das machte sich  bei Volkswagen durch ein Absatzplus von mehr als zwölf Prozent bemerkbar. Ohne das Wachstum im  Reich der Mitte wären die Verkäufe zurückgegangen und Deutschlands größter Konzern hätte sich wohl mit dem Bronzeplatz noch hinter General Motors abfinden müssen.

Ob der amtierende Weltmeister in diesem Jahr seinen Titel verteidigen kann, ist indes fraglich. So schreibt Frank Schwope, Analyst bei der NordLB, in einem Kommentar, 2017 könne für den Konzern herausfordernder werden. Das Absatzwachstum in China und in Europa dürfte geringer ausfallen. 

In dem Riesenland ist offen, inwieweit staatliche Absatzförderung noch greifen wird.  Auf dem Alten Kontinent wurde ein Plus von vier Prozent erreicht. Branchenkenner rechnen damit, dass der Schwung in der Autokonjunktur wegen schwindender Kauflaune nachlässt. Als schwer zu kalkulierender Sonderfaktor kommt noch der Dieselskandal mit seinen Folgen hinzu – heftig durchgeschlagen haben die Enthüllungen über manipulierte Abgaswerte bislang nur in den USA, wo der Betrug aufgedeckt wurde,  und in Deutschland, wo der Absatz im Gesamtjahr nur gering nach oben ging, doch im Dezember war mit einem Minus von 2,6 Prozent eine deutlich negative Tendenz erkennbar.

Eine Stagnation bei VW sollte nicht überraschen

In der gleichen Größenordnung ging es jenseits des Atlantiks in den zölf Monaten von 2016 nach unten. In China spielt das Dieselgate keine Rolle, weil dort so gut wie keine Pkw mit Selbstzündermotor verkauft werden.

Schwope traut dem Autobauer mit den zwölf Marken gleichwohl im günstigsten Fall ein Absatzplus von zwei Prozent zu, „aber auch eine Stagnation sollte nicht überraschen“. Er hat die Aktie von VW gerade auf Verkaufen zurückgestuft. Das hat auch damit zu tun, dass der Kurs des Dividendenpapiers fast schon wieder das Niveau von vor Bekanntwerden des Abgasbetrugs erreicht hat.

Toyota gibt sich in Anbetracht der Entthronung betont gelassen. Die Manager wollen die Verkäufe in jeden Fall steigern, wenn auch nur im überschaubaren Maßstab. Doch der Konzern teilte mit, man sei nicht darauf fokussiert, nach Volumen zu jagen. Ziel sei vielmehr die Nummer eins bei den Kunden und in der technischen Entwicklung zu sein.

In Europa wollen die Japaner mit Hybridautos punkten: Sie sind Marktführer bei Pkw mit Verbrenner- und Elektromotor. In den USA sollen die dort sehr beliebten Pritschenwagen  (Pick-Ups) für Wachstum sogen. Auch in diesem Marktsegment hat Toyota gegenüber Volkswagen die Nase vorn.