Im Beherbergungsgewerbe tobt ein eigentümlicher Konkurrenzkampf. Die Methoden sind rüde und überschreiten mitunter die Grenze des Zulässigen. Dabei führt dieser Wettbewerb nicht zu fallenden Zimmerpreisen oder besserem Service, sondern bewirkt das Gegenteil: Er macht manche Übernachtung teurer, als sie sein müsste und setzt viele Häuser unter erheblichen Rationalisierungsdruck. Dabei liegen nicht die Hotels im Clinch, es sind die großen Online-Buchungsportale. Konkret geht es um HRS, Booking.com und Expedia.

Diese drei haben das deutsche Geschäft mit Internet-Buchungen fast vollständig unter sich aufgeteilt. HRS übernahm im Oktober den Konkurrenten Hotel.de und verfügt nun über einen Marktanteil von knapp über 50 Prozent. Zweitgrößtes Portal ist Booking.com, das 28,5 Prozent des Marktes abdeckt. Mit 7,6 Prozent Marktanteil folgt die Expedia-Gruppe (venere, Hotels.com). Die übrigen Anbieter spielen hierzulande keine nennenswerte Rolle.

Und das soll so bleiben, geht es nach den großen Drei. Denn das Online-Geschäft wächst rasant, und es lohnt sich. Binnen weniger Jahre haben es die Internetportale geschafft, sich für die Hotels unentbehrlich zu machen. Sie sind zum zentralen Vertriebsweg der Touristikbranche geworden. Nach Angaben des Münchner Marktforschungsinstituts Ulysses wurden 2010 fast 42 Prozent des gesamten deutschen Touristik-Umsatzes von 50,7 Milliarden Euro über Online-Angebote erzielt.

Rasantes Wachstum

Beinahe jede dritte Hotelübernachtung wird heute im Internet gebucht, jede fünfte über ein Online-Portal. Für die Kundschaft ist die Handhabung bequem. Man gibt die gewünschten Übernachtungsdaten ein und erhält prompt eine meist große Auswahl an Hotelangeboten, einschließlich Bewertungen der Häuser durch frühere Gäste. Dabei garantieren die Portale niedrigste Zimmerpreise. HRS etwa wirbt damit, dass man „immer den günstigsten Preis“ finden würde.

Gleichwohl sind die Margen der Portalbetreiber beeindruckend. Nach einer aktuellen Analyse des führenden deutschen Hotelverbandes IHA wies HRS zuletzt eine Rendite aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit von über 30 Prozent auf. Verglichen mit dem Weltmarktführer Priceline, zu dem Booking.com gehört, ist der deutsche Hai freilich ein kleiner Fisch: Das Kölner Familienunternehmen setzte 2011 rund 142 Millionen Euro um, Priceline gut drei Milliarden, mit einem operativen Jahresgewinn von 357 Millionen Euro.

Da überrascht es nicht, dass die Priceline-Tochter Booking.com aggressiv den deutschen Markt beackert. Man investierte 40 Millionen Dollar allein in die Google-Werbung und steigerte den Marktanteil in Europa zwischen 2007 und 2011 von elf auf 27 Prozent. In Deutschland sind es bereits 28,5 Prozent.

Das rasante Wachstum der Portale ruft unter den Hoteliers die Sorge wach, aus Dienstleistern von einst könnten alsbald digitale Dienstherren werden. Eine „wachsende strukturelle Abhängigkeit“ vieler Häuser führe zu „Kostenbelastungen und Wettbewerbsbeschränkungen“, argwöhnt der IHA-Vorsitzende Fritz Dressen. So nutzen die Portale ihre Marktmacht, um die Konditionen mit den Hotels zu verschärfen. Verlangten die damals noch kleinen Anbieter vor zehn Jahren Provisionen von fünf Prozent des Übernachtungspreises, so sind mittlerweile 15 Prozent üblich, zuletzt hob auch HRS seine Provision von 13 auf 15 Prozent an.

Unter der Hand wird mitunter deutlich mehr gezahlt. Um in touristischen Metropolen von den Buchungsportalen möglichst weit oben gelistet zu werden, bieten manche Häuser Provisionen von bis zu 40 Prozent. Diese Praxis wurde gerichtlich zwar untersagt, wird nach Angaben von Insidern aber weiter geführt.

Wettbewerb über das Internet führt zu höheren Preisen

Wehren können sich die einzelnen Häuser gegen das Diktat der Provisionen und Meistbegünstigungsklauseln mit Niedrigstpreisgarantie nicht. „Kaum ein Hotelier kann es sich noch leisten, bei HRS oder Booking.com ausgelistet zu werden“, weiß Verbandsgeschäftsführer Markus Luthe. Solche Auslistung droht, wenn Hotels auf ihren eigenen Homepages Übernachtungen billiger anbieten als über einen Portalpartner.

In der Folge dürfen Hotels freie Zimmer nicht im Last-Minute-Verfahren online preisgünstiger anbieten, und der Portalwettbewerb führt mit allseitigen Niedrigpreisgarantien am Ende zu höheren Preisen als nötig.

HRS ist unlängst noch einen Schritt weiter gegangen und hat zum 1. März nicht nur die Provision auf 15 Prozent angehoben, sondern auch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) „angepasst“, wie HRS-Sprecherin Anja Klein charmant formuliert. Demnach soll es den Hotels nun sogar verboten sein, am Telefon oder an der Rezeption preiswertere Übernachtungen anzubieten als über das Online-Portal. Mit dieser „Offline“-Klausel ist der letzte Rest souveräner Preisgestaltung für die Hotels dahin.

Doch inzwischen ist das Kartellamt auf das Gebaren der Branche aufmerksam geworden. Gegen HRS wurde ein Verfahren eingeleitet. Solange es nicht abgeschlossen sei, werde man die Beachtung der AGB durch die 250 000 HRS-Vertragshotels nicht kontrollieren, versichert Sprecherin Klein. Eingehalten werden sie trotzdem, glaubt die Inhaberin eines kleinen Hotels im Berliner Süden: „Wer jetzt macht, was er will, kriegt es später von HRS knüppeldick. Wir sind doch von denen viel abhängiger als die von uns.“ Daran werde auch das Kartellamt nichts ändern.