Berlin - Wahrscheinlich hat sich Peter Altmaier einen anderen Abgang gewünscht. Ein letztes Mal durfte der Noch-Bundeswirtschaftsminister am Mittwoch die Wachstumsprognose der Bundesregierung verkünden. Die Zahlen, die der CDU-Politiker mitteilte, sind ernüchternd: Die deutsche Wirtschaft wächst zwar, aber deutlich weniger stark als noch zu Jahresbeginn prognostiziert. Statt 3,5 Prozent liegt das Plus in diesem Jahr bei lediglich 2,6 Prozent.

Konjunktur: Die Pandemie wirkt länger nach

In normalen Zeiten wäre das kein schlechter Wert. Allerdings bestand die berechtigte Hoffnung, dass sich die Konjunktur nach der Corona-Krise V-förmig entwickelt – es nach einem heftigen Absturz gleich wieder steil bergauf geht. Das wird nicht passieren. Explodierende Energiepreise, Materialmangel und Lieferkettenprobleme bremsen das Wachstum ab. Das heißt auch: Es wird noch einige Zeit dauern, die Pandemie-Schäden zu beheben.

Die Bundesregierung scheint das kaum zu kümmern. Die Botschaft, die Altmaier verkündete, lautete: Alles halb so wild. Der Aufschwung verzögert sich nur. Eine solche Haltung aber ist gefährlich. Zum einen ist nicht ausgemacht, dass sich die weltwirtschaftlichen Probleme gleich im nächsten Jahr auflösen. Zum anderen drohen bereits neue konjunkturelle Risiken. Die aktuell hohen Inflationswerte dürfen sich nicht verfestigen. Es ist ein schmaler Grat, auf dem sich die neue Koalition wird bewegen müssen.

Konjunktur: Die neue Regierung startet mit Rückenwind

Immerhin: Sie startet mit viel Rückenwind, bis zu 4,1 Prozent Wachstum sind im nächsten Jahr möglich. Ein solcher Konjunkturschub wird auch nötig sein, damit das Land den Corona-Einbruch endlich hinter sich lässt. Es ist das Pech des Peter Altmaier, dass es dann sein Nachfolger sein wird, der im kommenden Jahr einen kräftigen Aufschwung verkünden darf – und sich im Glanze der guten Zahlen sonnen kann.