Blick in den Müllbunker des Müllheizkraftwerks.
Foto: Sabine Gudath

BerlinBei seiner Strategie zum geplanten Kohleausstieg stützt sich die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz auf ein ein methodisch fragwürdiges Konzept: In einer „Machbarkeitsstudie“, die das Aachener Beratungsunternehmen BET erstellt hat, werden die Emissionen von Wärme aus der Verbrennung von Müll als CO2-frei bilanziert­ – die thermische Abfallverwertung soll der Studie zufolge künftig eine größere Rolle als bisher spielen und zusätzliche elf Prozent der jetzigen Kohlewärme ersetzen.

Damit widerspricht die Studie den bisher üblichen Berechnungsmethoden, etwa des Bundesumweltamts oder der Länderarbeitsgemeinschaft Energiebilanzen – dort wird Energie aus der Müllverbrennung als zu 50 Prozent klimaneutral verbucht. Hintergrund ist die Annahme, dass sich der Müll zu gleichen Teilen aus biogenen und aus fossilen Bestandteilen zusammensetzt.

Berlin hat Studie mit Vattenfall in Auftrag gegeben

„Es ist strikt falsch, und es ist interessengeleitet“, sagt Günter Dehoust, Senior Researcher am renommierten Öko-Institut in Berlin, „und das Drama ist, dass sich viele Leute diese Berechnung zu eigen machen.“ Es gebe klare Berechnungsvorgaben für Abwärme, sagt er: „Alle Studien, die ich kenne, berücksichtigen die CO2-Emissionen aus der Abwärme.“ Wer dagegen bei der Abfallwärme als CO2-neutral bilanziert, setze zweifelhafte Signale: „Es ist ein Taschenspielertrick, denn es geht ja darum: Wie plane ich die Wärmeversorgung in der Zukunft? Wenn ich mir die Emissionen schön rechne, habe ich falsche Planungsgrundlagen, die dann bei politischen Entscheidungen zu Grunde gelegt werden.“

Das Land Berlin hat die Studie zusammen mit Vattenfall in Auftrag gegeben – der schwedische Energieriese, der das Fernwärmenetz in Berlin betreibt, nutzt dabei als einziger Abnehmer die Abwärme aus dem Müllverbrennungskraftwerk Ruhleben der Berliner Stadtreinigung (BSR). Jedes Jahr verbrennt die BSR in der Anlage rund 580.000 Tonnen Müll und gibt rund 982.000 Megawattstunden Dampf an das Vattenfall-Kraftwerk Reuter ab. Bei der Berechnung der CO2-Emissionen stützt sich die Firma BET auf ein Papier der AGFW, die sich als  „Spitzenverband der Kraft-Wärme-Kopplung“ bezeichnet; zu den Mitgliedern zählen BET selbst, wie auch der Konzern Vattenfall.

BET verteidigt seine Methodik gegen die Kritik: Die Regelwerke der AGFW „sind in der Branche anerkannt und werden dort auch angewendet. Nichtsdestotrotz haben wir in der Studie auch darauf hingewiesen, dass es auch andere Bilanzierungsmethoden gibt“, teilt BET mit. Auch aus der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz heißt es, die Systematik der AGFW sei „die derzeitig anerkannte Berechnungsmethode.“