Frankfurt/Berlin - Ein unangekündigter Warnstreik von Sicherheitsleuten an Flughäfen hat bis Montagmittag bundesweit zu Verspätungen und Dutzenden Flugausfällen geführt. Die Auswirkungen waren allerdings regional sehr unterschiedlich: Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt hatte der Arbeitskampf keine Folgen für die Passagiere, wie ein Airport-Sprecher erklärte. Dagegen wurden in Stuttgart, Düsseldorf und Köln-Bonn nach Auskunft der Betreiber etliche Flüge gestrichen, es kam zum Teil zu stundenlangen Verspätungen.

Der Geschäftsführer des Flughafens Stuttgart, Georg Fundel, hat die durch ver.di kurzfristig anberaumten Streiks von Sicherheitsleuten an Flughäfen kritisiert. „Normalerweise haben Streiks einen Vorlauf von 24 Stunden. Wir hatten keine Chance, jemanden auch nur im Ansatz zu warnen“, sagte er am Montag. Er bezeichnete die Streiks als „Kundenakquisitionsveranstaltung“ der Gewerkschaft.

In Hamburg flogen die Maschinen zwar wie geplant, einige Passagiere kamen aber wegen langer Schlangen vor den Sicherheitskontrollen nicht rechtzeitig zum Flugsteig. Außerdem bestreikte die Gewerkschaft ver.di nach eigenen Angaben die Flughäfen in Berlin sowie in Karlsruhe, Bremen und Hannover. Grund seien die stockenden Verhandlungen über einen Manteltarifvertrag, die seit knapp einem Jahr ohne konkretes Ergebnis laufen. Am 14. November waren die Verhandlungen erneut vertagt worden, sie sollen Mitte Januar fortgesetzt werden.

„Zum wiederholten Male reagieren die Arbeitgeber nicht auf unsere Forderung nach einem Gesamtangebot, sondern setzen auf eine Verschleppungstaktik“, sagte ver.di-Verhandlungsführer Andreas Sander über die vergangene Verhandlungsrunde. „Wir wollen gerechte Bedingungen an allen Flughäfen.“ Die Gewerkschaft wolle erreichen, dass die im Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) zusammengeschlossenen Arbeitgeber sowie die großen Sicherheitsdienstleister FIS und Frasec einheitliche Bedingungen für ihre Mitarbeiter schaffen.

Beschäftigte fordern bessere Planbarkeit

Besonders störe die Beschäftigten, dass sie oft erst einen Tag im Voraus über ihre Einsätze informiert würden, sagte der Gewerkschafter. Die mangelnde Planungssicherheit belaste die Betroffenen und deren Familienleben schwer. Zudem fordern die Beschäftigten eine Abschaffung befristeter Verträge, eine Begrenzung der regelmäßigen Arbeitszeit für bestimmte Beschäftigungsgruppen sowie den Ausbau der Aus- und Weiterbildung.

BDSW-Hauptgeschäftsführer Harald Olschok bezeichnete den Streik als „völlig überzogen und unverhältnismäßig“. Es habe zuletzt deutliche Annäherungen zwischen seinem Verband und der Gewerkschaft gegeben. Nun würden aber Tausende Passagiere sinnlos geschädigt. Die Sicherheitsunternehmen seien daran interessiert, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Besonders viele Kontrollen fielen an Flughäfen aber naturgemäß abends und morgens an, dazwischen gebe es oft nicht genug Arbeit für die gesamte Belegschaft. Außerdem würden diese Zeiten von den Fluglinien nicht bezahlt. Deshalb würden die Mitarbeiter oft nur stundenweise eingesetzt.

Reisende sollten sich vor Abflug über Streikfolgen informieren

Nach ver.di-Angaben verdienen Sicherheitsleute in der Passagierkontrolle im Schnitt rund 12 Euro pro Stunde. Wer für Fracht- und Personalkontrolle zuständig ist, bekommt demnach etwa 8,50 bis 10 Euro Stundenlohn. Die Gehälter sind aber nicht Gegenstand der derzeitigen Verhandlungen.

Fluggäste sollten sich wegen der Warnstreiks vor ihrer Anreise zum Flughafen bei den Airlines, Reiseveranstaltern oder auf der Homepage des Flughafens über den Status ihres Fluges informieren, teilte etwa der Düsseldorfer Flughafen mit. Die Auswirkungen auf den Flugbetrieb seien derzeit noch nicht abzuschätzen. (dapd)