Eisenhüttenstadt/Ilsenburg - Nach ersten Warnstreiks im Westen Deutschlands haben auch Beschäftigte in der ostdeutschen Stahlindustrie die Arbeit niedergelegt. Am Donnerstagmorgen nahmen fast 1000 Stahlarbeiterinnen und Stahlarbeiter in Brandenburg und Sachsen-Anhalt an dem Warnstreik teil, hieß es seitens der IG Metall. „Mit diesem starken Auftakt demonstrieren die Kolleginnen und Kollegen eindrucksvoll, dass die Forderung nach einer deutlichen Steigerung der Monatslöhne sehr ernst gemeint ist“, sagte Birgit Dietze, Verhandlungsführerin für Stahl Ost. Mit den Warnstreiks wollen sie in den laufenden Verhandlungen mit dem Arbeitgeber über höhere Löhne den Druck noch einmal erhöhen.

Am frühen Morgen waren rund 700 Beschäftigte vor den Toren des Stahlwerks ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt in Brandenburg zusammengekommen. Nach Worten des Bevollmächtigten der IG Metall Ostbrandenburg, Holger Wachsmann, habe es an den Standorten der Betriebe eine hundertprozentige Beteiligung gegeben, einige Mitarbeitende seien auch aus ihren freien Tagen gekommen.

In Ilsenburg in Sachsen-Anhalt traten rund 250 Beschäftigte vor der Ilsenburger Grobblech GmbH in den Ausstand. Das sei ein erfolgreiches Signal an die Arbeitgeberseite, sagte der Geschäftsführer der IG Metall Halberstadt, Janek Tomaschefski. Auch hier hätten sich Mitarbeiter aus anderen Schichten beteiligt.

Zwei Verhandlungsrunden hatten bislang kein Ergebnis gebracht. Die Gewerkschaft fordert in der Tarifrunde 8,2 Prozent mehr Geld für die 8000 Beschäftigten der ostdeutschen Stahlindustrie. Die Arbeitgeber hatten in der ersten Verhandlung 2100 Euro Einmalzahlung angeboten. Die IG Metall hat dieses Angebot als völlig unzureichend zurückgewiesen. Darüber hinaus fordert die Gewerkschaft die Verlängerung der Tarifverträge zur Altersteilzeit, zum Einsatz von Werkverträgen und zur Beschäftigungssicherung. Die dritte Verhandlung für die ostdeutsche Eisen- und Stahlindustrie ist für den 13. Juni angesetzt.

„Mit ihrer Absage an dauerhafte Lohnerhöhungen haben die Arbeitgeber in den ersten beiden Verhandlungsrunden die Beschäftigten verärgert und nachhaltig auf den Plan gerufen“, sagte Verhandlungsführerin Dietze. „Durch die Sonderkonjunktur der Stahlbranche fahren die Unternehmen hohe Gewinne ein“, so die Gewerkschafterin. An die Kunden werde der Kostenanstieg durch die höheren Energie- und Rohstoffpreise weitergegeben. Die Beschäftigten treffe die hohe Inflation aber in voller Härte. „In dieser Situation werden sie sich nicht mit einer Einmalzahlung zufriedengeben“, so Dietze.

„Wir machen eine Tarifrunde nicht mit dem Ziel, einen Arbeitskampf durchzuführen. Wir führen eine Tarifrunde, um ein gutes Ergebnis für die Beschäftigten zu erreichen“, sagte Tomaschefski von der IG Metall Halberstadt. Wachsmann von der IG Metall Ostbrandenburg schloss weitere Arbeitskampfaktionen nicht aus. „Wenn wir nicht gehört werden, sind die Kolleginnen und Kollegen durchaus bereit weiterzumachen.“ Eine Urabstimmung schloss der Gewerkschafter bei einem fehlenden neuen Angebot der Arbeitgeber nicht aus.