Warum stürzt der Bitcoin aktuell so ab – und sollte ich trotzdem investieren?

Der Bitcoin ist zuletzt stark abgestürzt. Dabei soll er ein Ausweg aus der Inflation sein, auch für Privatanleger. Zwei Finanzexperten erklären, ob das stimmt.

Der Bitcoin ist auf seinen tiefsten Stand seit Juli 2021 gefallen.
Der Bitcoin ist auf seinen tiefsten Stand seit Juli 2021 gefallen.dpa/Fernando Gutierrez-Juarez

Am Dienstag geht es dem Bitcoin wieder nicht gut: Sein Kurs fiel auf der Handelsplattform Bitfinex unter die Marke von 30.000 US-Dollar. In der Nacht auf Dienstag hatte die Digitalwährung mit nur 29.833 US-Dollar den niedrigsten Stand seit Juli 2021 markiert. Noch vor wenigen Tagen hatte ein Bitcoin dagegen etwa fast 49.000 US-Dollar gekostet. Warum ist es jetzt anders?

Als Folge dessen sehe man, so Dirk Müller, dass sich auch Bitcoin fast identisch wie die Technologiebörse Nasdaq-100 verhalte. Im Nasdaq-100-Index seien die US-Technologieaktien enthalten. Die Masse der Privatspekulanten sei da seit Jahren aktiv.

„Die Digitalwährungen sind nach wie vor keine Anlageklasse mit wirtschaftlicher Grundlage“, erklärt der Börsenmakler und Fondsmanager Dirk Müller der Berliner Zeitung. „Sie werden so gut wie nicht für echte Transaktionen genutzt, sie sind reine Spekulationsinstrumente.“

Herrscht dort Euphorie, und die Privatspekulanten sind mutig, steigt auch der Bitcoin. Haben die Privatspekulanten stattdessen Angst, wie aktuell, und verkaufen Tech-Aktien, fällt auch der Bitcoin.

Börsenmakler Dirk Müller

Auch andere Digitalwerte wie Ether, XRP oder Dogecoin gaben zuletzt nach. Der Marktwert aller derzeit rund 19.300 Kryptoanlagen brach nach Angaben des Portals Coinmarketcap um 50 Prozent im Vergleich zum November letzten Jahres ein. Damals hatten die Kryptoanlagen zusammen ein Rekordhoch von fast drei Billionen Dollar erreicht.

Zuflucht vor Inflation?

Die Privatspekulanten dürften gerade Angst vor den Verlusten haben, weil viele Zentralbanken kürzlich ihre Leitzinse anhoben, um die Inflation zu dämpfen. Die US-Notenbank Fed erhöhte letzte Woche den Leitzins auf 0,75 beziehungsweise 1,0 Prozent. Auf den ersten Blick kein großer Eingriff, doch die Börsen reagierten darauf ziemlich sensibel. Die steigenden Zinsen erschweren die Anlagen unter anderem auch in Bitcoin und machen sie weniger profitabel.

Bitcoin und andere Kryptowährungen seien „Risk On“-Assets, sagt auch der Buchautor und Finanzberater Marc Friedrich der Berliner Zeitung. Sie würden profitieren, wenn das Geld billig sei – und umgekehrt. „Wenn die Geldmenge schrumpft, so wie aktuell in den USA, werden diese volatilen und riskanten Werte abverkauft und das Geld fließt in sicherere Häfen wie Staatsanleihen oder in den US-Dollar.“

Auch wenn Bitcoin sich im Laufe des Tages (Dienstag) etwas erholt hat und nun bei rund 32.200 US-Dollar liegt: Der Börsenmakler Müller warnt davor, die Bitcoin-Anlagen als eine Zuflucht vor Inflation zu sehen: „Kryptowährungen haben sich seit ihrer Einführung noch nie als die oft herbeigeschriebene Absicherung gegen Börsenturbulenzen erwiesen und, wie wir jetzt sehen, sind sie auch kein Inflationsschutz. Sie sind – bislang – reines Spekulationsobjekt.“ Wie in der Spielbank könne man mit Bitcoins viel Geld verdienen oder verlieren, das stehe jedem frei. „Mehr sollte man davon aber – zumindest bis auf Weiteres – auch nicht erwarten.“

„Kryptowährungen haben sich seit ihrer Einführung noch nie als die oft herbeigeschriebene Absicherung gegen Börsenturbulenzen erwiesen und, wie wir jetzt sehen, sind sie auch kein Inflationsschutz. Sie sind – bislang – reines Spekulationsobjekt.“

Dirk Müller, Fondsmanager und Börsenmakler

Der Finanzberater Friedrich sieht das jedoch anders. Der Bitcoin sei schon ein Inflationsschutz, korreliere aber noch stark mit der Nasdaq-100 und der Geldpolitik der Fed. Langfristig sehe Friedrich Bitcoins positive Aussichten nicht geändert. „Die Schulden sind auf Rekordniveau, die Inflation hoch, die Zinswende in der Eurozone hat noch gar nicht begonnen“, argumentiert Friedrich. Also werde der Bitcoin einmal wieder „das schnellste Pferd im Stall“ sein, um die Kaufkraft zu schützen, auch wenn Bitcoin hoch volatil sei. Seitdem der Bitcoin das Licht der Welt gesehen habe, hätten die Papierwährungen gegenüber dem Bitcoin-Kurs bis zu 99 Prozent an Kaufkraft verloren, so der Finanzberater Friedrich. Der Bitcoin selbst hat allerdings keine eigene Kaufkraft und soll zuerst in eine klassische Fiat-Währung getauscht werden.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins zwar noch nicht angehoben, was die Refinanzierung der Kredite, also die Beschaffung des Kapitals durch Geschäftsbanken von anderen Banken oder von Zentralbanken, auch für Deutschland ziemlich teuer machen würde.