BerlinDie Situation im Bewirtungsgeschäft ist zweifelsfrei dramatisch. Obwohl die Kneipen, Bars und Restaurants ihre Verluste den Sommer über reduzieren konnten, waren die Umsätze bis August um 45 Prozent eingebrochen. Damals hoffte man noch, dass es einen Lockdown wie im Frühjahr nicht noch einmal geben würde. Doch der kam und ließ die Umsätze nochmals einbrechen. „Katastrophe“, heißt es überall.

Inzwischen sind Hilfen angekündigt. Wer seinen Betrieb zwangsweise schließen muss, bekommt Unterstützung. Dennoch wird es Insolvenzen geben. 6000 Berliner Kneipen und Bars könnten das Jahresende nicht erleben, befürchtet man in der Branche. Bedauernswert ist das aber nur bedingt. Denn tatsächlich waren viele Betriebe schon vor Corona nicht aus eigener Kraft überlebensfähig. Schlechte Bezahlung gehörte vielerorts zum wackligen Geschäftsmodell. Zwei von drei Beschäftigten in der Gastronomie bekommen Niedriglohn, also weniger als zwei Drittel des mittleren Werts der Löhne in Deutschland. Mindestlöhne werden nachgewiesenermaßen und regelmäßig umgangen, indem Überstanden nicht vergütet werden. Bei vielen Beschäftigten reicht der gezahlte Lohn nicht zum Leben, sodass sie trotz Arbeit Hartz-IV-Leistungen beantragen müssen. In diesen Fällen haben sich Wirte ihr Geschäft also vom Staat subventionieren lassen.

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.