Volksbank-Filiale am Kurfürstendamm in Berlin
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Berlin„Schnell sein. Aufstocken. Anteile sichern.“ So wirbt momentan die Volksbank Nord in Flensburg auf ihrer Website um neue Mitglieder. Auch andere Volks- und Raiffeisenbanken suchen über ihre Internetauftritte neue Eigentümer; andere Institute dagegen sprechen potenzielle Mitglieder ausschließlich persönlich an, an Anteile ist bei ihnen oft kaum zu kommen. Teilweise bieten die Genossenschaftsbanken ihren Eigentümern noch sehr attraktive Zinssätze auf deren Einsatz an. Aber was genau sind eigentlich die Vorteile oder auch Risiken einer Mitgliedschaft? Die Berliner Zeitung erklärt.

Wer kann Mitglied einer Volksbank- oder Raiffeisenbank werden?

Als Mitglieder werden die Eigentümer der Genossenschaftsbanken bezeichnet. Grundsätzlich kann nur Mitglied werden, wer ein Konto bei dem jeweiligen Institut hat. Oft verlangen die Institute auch, dass es die Hauptbankverbindung ist, also dass dort etwa die Lohn- und Gehaltszahlungen eingehen. Die Geldhäuser betonen gerne, dass es neuen Genossen nicht darum gehen sollte, nur die höchstmögliche Dividende einzustreichen. Stattdessen sollte die Gemeinschaft im Mittelpunkt stehen und das Bestreben, die eigene Region mit zu entwickeln und zu fördern. Im Regelfall deckeln die Institute die Anzahl der Anteile, die ein Mitglied erwerben kann. Bei der VR Bank Nord beispielsweise können Mitglieder bis zu 200 Anteile à 50 Euro zeichnen – also 10.000 Euro. Die Volksbank Berlin bietet immerhin bis zu 1000 Anteile à 52 Euro an. Die Volksbank Ruhr Mitte dagegen gibt maximal zwei Anteile à 250 Euro aus, die Volksbank Kraichgau maximal fünf Anteile à 52 Euro. Das heißt: Zur Anlage hoher Geldbeträge taugt die Mitgliedschaft in einer Genossenschaftsbank häufig nicht.

Wie kann man als Mitglied in der Bank mitreden?

Die Mitglieder wählen – im Regelfall alle vier Jahre – ihre Vertreter, die dann an der jährlich stattfindenden Vertreterversammlung teilnehmen können. Dabei gilt: Jedes Mitglied hat eine Stimme, egal wie viele Anteile es hält. Die Vertreterversammlung beschließt wichtige Angelegenheiten der Genossenschaftsbank, wie beispielsweise die Feststellung des Jahresabschlusses, die Verwendung des Jahresüberschusses und Änderungen der Satzung. Das Gremium bestimmt zudem über die Entlastung des Vorstands und des Aufsichtsrats, wie man es auch von Hauptversammlungen einer Aktiengesellschaft kennt.

Wie viel Dividende zahlen die Genossenschaftsbanken?

Im Vergleich zu vielen anderen Anlageformen, die kaum noch Zinsen einbringen, werfen Anteile an Volks- und Raiffeisenbanken oft noch eine ordentliche Rendite ab. Im Durchschnitt zahlten die Geldhäuser ihren Eignern im Jahr 2018 eine Dividende von vier Prozent auf ihre Anteile, teilte der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) mit. Im Jahr 2008 waren es aber noch durchschnittlich 5,7 Prozent – auch bei den Genossen schlägt also die Niedrigzinsphase durch. Zudem sollten sich an einer Mitgliedschaft interessierte Kunden natürlich informieren, welche Dividende ihr jeweiliges Institut in den vergangenen Jahren gezahlt hat, denn dort klafft eine große Schere. Während etwa die Frankfurter Volksbank im Jahr 2018 eine Dividende von sechs Prozent zahlte, waren es bei der VR Bank Nord vier Prozent und bei der Volksbank Berlin nur 2,5 Prozent.

Für das Jahr 2019 haben die Volks- und Raiffeisenbanken bislang gar keine Dividenden ausgeschüttet. Die Finanzaufsicht BaFin hat alle deutschen Geldhäuser aufgefordert, wegen der Corona-Krise bis Oktober 2020 keine Ausschüttungen vorzunehmen. Die Genossenschaftsbanken behalten es sich vor, im Herbst eine Dividende für 2019 zu zahlen – ob die einzelnen Häuser dies machen werden, bleibt abzuwarten. Über die Dividende entscheidet die Vertreterversammlung.

Welche Risiken birgt eine Beteiligung?

Wie bei jedem Investment sollte ein Anleger sich informieren, wohin er denn sein Geld da gibt. Geben Volksbanken Anteile heraus, kann dies geschehen, weil Alteigentümer ihre Anteile zurückgegeben haben und diese nun neu verteilt werden – oder weil die Banken neue Anteile schaffen, was einer Eigenkapitalerhöhung gleichkommt. Da sollte man schon mal genauer hinschauen, warum das benötigt wird. Weil die Bank Probleme hat? Weil sie wachsen will? Oder einfach, um neue Mitglieder an sich zu binden? Der Geschäftsbericht kann Aufschluss geben. Allerdings haben die deutschen Volks- und Raiffeisenbanken eine sogenannte Institutssicherung: Sie sichern sich zu, dass sie sich im Notfall immer beistehen und niemals ein Institut pleitegehen lassen. Bislang hat es in dem Sektor auch noch keine Pleite gegeben; schwankende Banken werden stattdessen häufig von einer Schwesterbank übernommen. Theoretisch haben Mitglieder im Pleitefall aber bei vielen – nicht mehr bei allen – Genossenschaftsbanken eine sogenannte Nachschusspflicht: Diese ist meistens auf die Höhe der eigenen Investition in die Bank begrenzt. Gegriffen hat sie laut BVR noch nie. Der BVR betont außerdem, dass diese Nachschusspflicht ab 2022 flächendeckend komplett entfallen wird und auch nicht durch eine neue Bestimmung ersetzt wird. Wer in eine Volksbank investieren möchte, sollte sich außerdem bewusst sein, dass es Kündigungsfristen für die Anteile gibt – man also nicht sofort wieder an sein Geld kommen kann. Meistens können Mitglieder mit einer dreimonatigen Frist zum Ende des Geschäftsjahres kündigen, bei der Apotheker- und Ärztebank aber beträgt die Kündigungsfrist sogar 24 Monate zum Ende des Geschäftsjahres.

Welche Vorteile hat ein Mitglied?

Neben den teils ordentlichen Dividendenzahlungen und der Möglichkeit, über die Volksbank in die eigene Region zu investieren, haben die Volksbanken verschiedene Bonusprogramme für ihre Mitglieder aufgelegt. So können diese etwa Rabatte bei genossenschaftlichen Verbundunternehmen wie Versicherern und auch bei vielen anderen Unternehmen außerhalb der Gruppe erhalten.