Berlin - Die Züge rollen wieder. Der zweite Streik bei der Deutschen Bahn (DB) im laufenden Tarifstreit ist vorbei, und der allgemeine Ärger kann wieder abflauen. Fest steht, dass die Erregung ziemlich groß war für ein Verkehrsmittel, das im Vergleich zum Kraftfahrzeug nur noch eine marginale Rolle spielt. Sicher, es gibt Menschen, die auf die Bahn angewiesen sind: Pendler in Großstadtregionen, Menschen ohne Auto, Unternehmen, die sich noch auf der Schiene beliefern lassen. Doch gemessen an der Zahl der Kilometer, die Jahr für Jahr in Deutschland zurückgelegt werden, hat die Eisenbahn im Personenverkehr einen Marktanteil von gerade mal zehn Prozent. Im Güterverkehr ist er doppelt so groß, aber in absoluten Zahlen ist auch das nicht sehr beachtlich.

Es stellt sich die Frage, warum manche Politiker, Kommentatoren und andere Beobachter so heftig reagieren, wenn Claus Weselsky die Mitglieder der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) mal wieder zum Streik aufruft. Sicher, man muss den Eisenbahner aus Sachsen nicht mögen. Vielleicht stimmt es ja, dass er seine Gewerkschaft autoritär führt und dass er ein großes Ego hat. Aber als Gewerkschaftschef tut er, was Gewerkschaftsmitglieder, die immerhin ein Prozent ihres Lohns als Beitrag zahlen, mit Fug und Recht erwarten können. Weselsky trumpft mit markigen Worten und Forderungen auf – das ist nun mal sein Job, seine Stellenbeschreibung. Wenn dies überrascht als etwas Ungewöhnliches kritisiert wird, wirft das ein Schlaglicht darauf, wie mächtig der Konsens in Deutschland mittlerweile ist, dass sich alles der Logik der Wirtschaft unterzuordnen hat.

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