Berlin - Die EU-Kommission will gegen Plastikmüll vorgehen. In einem Punkt können sich die anderen Staaten Deutschland in jedem Fall zum Vorbild nehmen. Bei Getränken. Das  System mit Mehrweg- und Einwegpfand  führt dazu, dass diese  Kunststoffgefäße fast zu hundert Prozent getrennt gesammelt, wiederverwertet und -verwendet werden.  Schließlich handelt es sich auch bei Getränkeflaschen um hochwertiges Plastik, das zudem noch sortenrein über die Leergutautomaten in den Supermärkten gesammelt wird.

Wobei Umweltschützer aber gleichwohl beklagen, dass Händler und Hersteller den Mehrweganteil bei den Plastikflaschen immer weiter schrumpfen lassen – die robusten Pullen können bis zu 40mal wieder befüllt werden, was sie zu ökologisch äußerst vorteilhaften Produkten macht. Und sie machen darauf aufmerksam, dass für Saft und Nektar die Pfandpflicht nicht gilt. Diese Flaschen landen, wenn es gut geht, in der Gelben Tonne, wenn es schlecht läuft in der Müllverbrennung.

EU will Wattestäbchen verbieten

Die EU-Kommission schlägt außerdem vor, eine Reihe von Plastikprodukten gänzlich zu verbieten, da sie zu den Hauptverantwortlichen für die Vermüllung der Meere gehören und zugleich durch Produkte aus anderen Stoffen ersetzt werden können. Dazu zählen Wattestäben genauso wie Besteck und Essgeschirr. Doch Öko-Organisationen wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) warnen, dass  sie Substitution von Plastik nicht immer die richtige Entscheidung sein muss. „Aus der Debatte um die Plastiktüte haben wir gelernt, dass Einwegprodukte aus Papier nicht umweltfreundlicher sind“, so Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Die Produktion einer Papiertüte verbraucht etwa doppelt so viel Energie wie das Pendant aus Kunststoff. Hinzu kommt, dass der Zellstoff speziell behandelt werden muss, was eine zusätzliche Belastung von Luft und Wasser mit Stickoxid, Schwefeldioxid und anderen Chemikalien nach sich zieht. Einweg-Plastikteller durch Einweg-Pappteller zu ersetzen, ist also nicht unbedingt die ideale Lösung.

Bio-Kunststoff als Alternative?

Als Alternative wird immer häufiger Bio-Kunststoff ins Spiel gebracht. In Frankreich etwa ist Plastik-Einweggeschirr, das aus Erdöl hergestellt wird, bereits verboten. Es wird nun weitgehend durch Teller und Co. biologischen Ursprungs ersetzt. Die DUH bezeichnet dies als nichts anderes als „Greenwashing“. Es geht um einen ganz besonderen Stoff, der in der Regel aus Mais hergestellt wird. Unter dem Maisanbau leiden Böden, Grundwasser  und das Klima. Die Ökobilanz verschlechtert sich zudem, wenn der Energie- und Transportaufwand für den Dünger hinzu gerechnet wird.  Und vor allem: Im Meer verrottet das Material genauso wenig wie Plastik aus Erdöl. Denn der Bio-Kunststoff braucht eine Temperatur von etwa 60 Grad, um zu zerfallen.

Umweltschützer machen sich deshalb dafür stark, die Mehrweg- und Pfandsysteme auszubauen. Zuallererst hierzulande natürlich für Saft und Nektar. Es soll aber auch um die sogenannten To-Go-Gefäße gehen. Also etwa für Kaffeebecher und Essensverpackungen. Diese würden besonders gerne in der Umwelt entsorgt, so die DUH, die zugleich auf ein positives Beispiel in Luxemburg verweist. Dort wurden gerade die Ecoboxen für Essen zum Mitnehmen eingeführt. Der Kunde zahlt  Pfand für das Mehrweggefäß, der bei Rückgabe erstattet wird.

Mit dem Verbot einzelner Plastikprodukte ist es auch Sicht der Umwelthilfe keinesfalls getan. Es brauche EU-weite Quoten für die Wiederverwertung von Verpackungen. Hinzu kommen müssten Abgaben, die Wegwerfprodukte aus Plastik verteuern – etwa 20 Cent für jede Tüte. Nur dann werde sparsamer mit Kunststoff umgegangen.