Neue Hiobsbotschaft für Volkswagen: Womöglich sind weitere Motoren von Abgasmanipulationen betroffen. Es geht um Aggregate, die seit 2012 auch im Golf eingesetzt werden. Wir erläutern, welche Weiterungen beim Dieselgate zu erwarten sind.

Um welche Motoren handelt es sich?

Bislang ging es nur um den Motorentyp EA 189. Das ist ein älteres Dieselaggregat, das zuletzt mit der Abgasnorm Euro 5 auf verbotene Weise konform gemacht wurde: Im Bordcomputer war eine nicht zulässige Abschaltung der Abgasreinigung programmiert. Sie funktionierte nur auf dem Prüfstand. Im Normalbetrieb auf der Straße war sie deaktiviert – mit der Folge, dass die Fahrzeuge erheblich mehr Schadstoffe in die Luft blasen, als offiziell gemessen. Es geht bislang dabei um Stickoxide. Bei Euro 5 lag der offizielle Wert bei 180 Milligramm pro Kilometer. Volkswagen hatte bislang behauptet, dass nur der EA 189 betroffen sei. Nun räumt der Konzern sein, dass auch beim Nachfolgers EA 288 die Schummelsoftware aktiv sein könnte.

Wie viele Fahrzeuge sind betroffen?

Ein Volkswagen-Sprecher sagte, auch die frühe Variante des EA 288 werde untersucht, die ab 2012 eingesetzt wurde. Dieser Motor unterlag ebenfalls der Euro-5-Norm. „Das schauen wir uns gerade genau an“, so der Sprecher. Zur Zahl der betroffenen Fahrzeuge konnte er noch nichts sagen. Sicher ist, dass es sich um Pkw handelt, die auch in Deutschland verkauft wurden, unter anderem wurde der Motor in den Verkaufsschlager Golf eingebaut.

Was macht es so schwer, genaue Zahlen zu nennen?

Laut Volkswagen wurde der EA 288 „in einem gleitenden Übergang“ schrittweise auf die Euro-6-Norm umgestellt. Details nannte er auch hier nicht. Damit ist weder der Zeitraum der Umstellung noch die Zahl der betroffenen Fahrzeuge klar. Mit Euro 6 geht eine erheblich anspruchsvollere Abgasreinigung fürs Stickoxid einher. Es sind nur noch 80 Milligramm pro Kilometer zulässig. Dieser Standard gilt für alle Neuzulassungen seit September 2015.

Was ist jetzt mit den aktuellen Dieselmotoren?

Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) hat bisher ausgeschlossen, dass die Euro-6-Versionen des EA 288 von den Abgasmanipulationen betroffen sind. Der Wolfsburger-Konzern bekräftigt dies noch einmal: „In den Fahrzeugen mit EA 288 Euro-6 ist keine Software verbaut, die eine unzulässige Abschalteinrichtung im Sinne der Gesetzgebung darstellt. Entsprechend erfüllen die in der Europäischen Union angebotenen Neuwagen mit Dieselantrieb nach EU-6-Norm aus dem Volkswagen-Konzern die gesetzlichen Anforderungen und Umweltnormen.“ Seit diesem September stehen in den VW-Autohäusern nur noch Modelle dieser Euro-6-Version.

Was bedeutet die mögliche Ausweitung des Abgasskandals für die betroffenen Fahrzeughalter?

Zunächst einmal müssen sie nichts befürchten. Die Autos stoßen zwar viel zu viel Stickoxid aus, sie sind aber ansonsten technisch in Ordnung und verkehrssicher. Sollte sich der Verdacht mit dem Einsatz der Manipulationssoftware erhärten, muss das Unternehmen das gleiche Verfahren wie beim EA 189 durchziehen. Es muss eine technische Lösung zur Nachrüstung gefunden werden. Die muss das Kraftfahrtbundesamt genehmigen. Daraufhin wird eine Rückrufaktion geplant. Die betroffenen Fahrzeughalter würden dann rechtzeitig angeschrieben und aufgefordert, ihre Wagen in die Werkstatt zu bringen. Die Kosten trägt Volkswagen.

Was bedeutet all das für Volkswagen?

Vor allem noch höhere finanzielle Belastungen. Nach aktuellem Stand sind in der EU 8,5 Millionen Autos mit den EA 189-Motoren unterwegs, in Deutschland sollen es 2,4 Millionen sein. Volkswagen plant eine Rückrufaktion, die Anfang 2016 starten und sich über das gesamte Jahr hinziehen könnte. 6,5 Milliarden Euro sind dafür eingeplant. Branchenkenner gehen aber davon aus, dass diese Summe nicht reichen wird.