Die Gründer von Earth Ratings, Adria Grau und Carsten Roland (r.), haben große Visionen für ihr Start-up.
Foto: Earth Ratings

BerlinNachhaltig einzukaufen, ist gar nicht so einfach. Für Verbraucher ist kaum ersichtlich, wie viele Emissionen beispielsweise bei der Produktion des neuen T-Shirts erzeugt worden sind oder welches Smartphone welcher Firma einen besseren ökologischen Fußabdruck hat. Ist eine Flasche Wein nachhaltiger, die zwar aus Europa stammt, dafür aber mit dem Lkw transportiert worden ist, als eine, die von Übersee kommt, dafür aber per Schiff?

Das Berliner Start-up Earth Ratings will genau solche Informationen zugänglich machen. Und zwar möglichst einfach. Eine Prozentzahl zwischen eins und hundert soll künftig anzeigen, wie nachhaltig ein jeweiliges Produkt ist. Gerade befindet sich das Projekt noch in der Beta-Phase, der Launch der App ist für Februar kommenden Jahres geplant.

Ein Sneaker von Adidas wird laut Earth Ratings umweltfreundlicher produziert als ein Schuh von Nike

Doch schon jetzt können Nutzer über die Website erste Produkte suchen und gegenüberstellen. Einen Sneaker von Nike zum Beispiel mit einem Sneaker von Adidas. Optisch sind die Modelle ähnlich, die Unterschiede in der Wertung von Earth Ratings aber deutlich. Während der Nike-Schuh in Sachen Umweltverträglichkeit in den Augen von Earth Ratings 32 Prozent erfüllt, kommt Adidas auf 68 Prozent.


„Kein Unternehmen kann hundertprozentig umweltfreundlich arbeiten, aber wir wollen Verbrauchern ein Mittel geben, um eine bessere Entscheidung zu treffen“, sagt Gründer Carsten Roland. Dafür vergleicht das Start-up nicht nur die Umweltverträglichkeit, sondern zusätzlich drei weitere Kategorien: Produktqualität, Produktinnovation und soziale Innovation der Firma. „Auch Qualität ist ein Nachhaltigkeitsfaktor“, sagt Roland. „Wenn ein Produkt nach zwei Monaten kaputtgeht und ein neues produziert werden muss, ist das nicht nachhaltig.“ Bei der Produktinnovation bezieht Earth Ratings zum Beispiel Nachhaltigkeitsziele ein, die sich eine Firma selbst auferlegt hat – wenn sie diese denn einhält. Und mit sozialen Innovation sind die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter gemeint.

Die Datenrecherche dafür ist aufwendig. Während einige Unternehmensinformationen beispielsweise in Zentralregistern öffentlich zugänglich sind, greifen die Gründer bei Daten zu Treibhausgasemissionen oder dem Wasserverbrauch auf Recherchen von Drittanbietern wie Carbon Disclosure Project zurück. Auch werden Unternehmen direkt angefragt.

Die Profite sollen an soziale und nachhaltige Projekte gehen

Zwar steht das Start-up noch ganz am Anfang, doch das Ziel der Gründer ist es, es letztlich nicht nur bei Vergleichen für einzelne Produkte zu belassen. „In Zukunft wollen wir Nutzern auch beantworten können, welcher Supermarkt die zufriedensten Mitarbeiter mit den besten Arbeitsbedingungen hat oder welches Restaurant nur erneuerbare Energien bezieht“, sagt Roland.

Gewinn soll über Provisionen generiert werden, die das Start-up erhält, wenn Produkte, die zuvor verglichen wurden, über die eigene Website oder App gekauft werden. Alle Profite sollen an soziale und nachhaltige Projekte gehen. Doch das ist noch Zukunftsmusik.