„Haste mal n’en Euro“. Wie sollte die beliebte Frage in der Fußgängerzone lauten, wenn wirklich das Bargeld abgeschafft wird? Sollen sich Bettler ein eigenes Kreditkartensystem anschaffen? „Haste mal mal ’ne Kreditkarte...“ Auch bei der Kollekte in der Kirche kämen EC-Kartengeräte wohl nicht so gut an.

Ähnliche Probleme werden Großeltern haben, die ihren Enkeln ein Geldgeschenk machen oder Eltern, die ihrem Nachwuchs Taschengeld geben. Soll das Geld als Guthaben direkt auf das Handy des Achtjährigen gebucht werden?

„Bargeld lacht“ oder „nur Bares ist Wahres“, sind für viele Menschen nicht nur eine Redensart, sondern Lebensgrundlage. Hunderttausende Frauen arbeiten schwarz als Putzfrauen, um sich etwas nebenbei zu verdienen. Ohne Bargeld müssten sie sich selbst bei kleinsten Summen zwangsweise einem System von Steuern und Sozialabgaben unterwerfen. Auch mancher Handwerker sowie ihre Auftraggeber schätzen Bargeld statt der Überweisung, weil so schon mal „vergessen“ wird, die Mehrwertsteuer auf die Rechnung zu schlagen.

Als Alternative kommt eine Internetwährung wie die „Bitcoins“ in Frage. Diese entzieht sich der Kontrolle der Notenbanken. Entsprechend wird das virtuelle Geld für illegale Geschäfte genutzt – etwa im Drogenhandel, der doch angeblich nur mit Bargeld funktioniert. Die Geschäfte in der Schattenwirtschaft können aber nicht so gewaltig sein: Laut Bundesbank steigt der Bargeldumlauf jährlich um fünf Prozent.

Bargeld hat die wichtige Funktion als Wertaufbewahrungsmittel. Viele können besser schlafen, wenn sie bestimmte Geldvorräte unter der Matratze, im Tresor oder im Schließfach „für alle Fälle“ haben. Scheine und Münzen haben den Vorteil, jedem als Zahlungsmittel zur Verfügung zu stehen, sie sind anonym und schützen vor der Beobachtung durch Dritte. Ob ich mein Geld bei etwas heikleren Aktivitäten beim Glücksspiel oder im Bordell ausgebe, wen geht das was an? Bargeld ist auch „geprägte Freiheit“, wie es der Fjodor Dostojewski treffend ausdrückte. (sub)