Ein Anleger informiert sich auf einer elektronischen Anzeigetafel über die Aktienkurse.
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Der deutsche Aktienmarkt wagt nach dem panikartigen Ausverkauf in dieser Woche eine Erholung. Die Unsicherheit am Freitag ist jedoch nach dem größten Börsencrash seit 1987 unverändert hoch. Entsprechend schwankungsreich geht es nach oben. Die Coronavirus-Krise hält die Welt weiter fest im Griff. Inzwischen versuchen viele Länder die rasche Ausbreitung des neuartigen Virus mit weitreichenden Maßnahmen zu verhindern.

Hilfspaket der Zentralbank

Der Dax legte bis zur Mittagszeit um 4,06 Prozent auf 9532,71 Punkte zu. Der MDax, der zeitweise wieder nachgegeben hatte, gewann 3,46 Prozent auf 20.865,08 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 rückte zugleich um 4,67 Prozent vor.

In einer der turbulentesten Wochen in der Börsengeschichte steuerte der Dax auf einen Wochenverlust von 17,5 Prozent zu. Am vergangenen „Schwarzen Montag“ war es für das Börsenbarometer angesichts der Virusängste und eines Ölpreisschocks bereits um fast 8 Prozent abwärts gegangen. Am Donnerstag dann war der Dax trotz eines umfangreichen Hilfspakets der Europäischen Zentralbank für die Wirtschaft des Euroraums um mehr als 12 Prozent eingebrochen. Seit Beginn des virusbedingten Börsencrashs am 24. Februar hat er inzwischen rund 30 Prozent an Wert eingebüßt.

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Anteilsscheine legten zu

Nachrichten zu einzelnen Unternehmen fanden wieder mehr Beachtung. Die Aktien von Wirecard schossen kurz um 30 Prozent hoch. Zuletzt legten sie dann um 11,4 Prozent zu, hatten allerdings tags zuvor fast 18 Prozent eingebüßt. Laut dem Zahlungsabwickler ist die Sonderprüfung seiner Bücher mit Blick auf das Singapur-Geschäft „weitestgehend abgeschlossen“ und sieht vorerst keinen Korrekturbedarf an den Jahresabschlüssen. Ein anderer Teil der Untersuchung, die Einsichtnahme in das Drittpartnergeschäft, läuft noch. Wirecard informierte zudem, dass die Bekanntgabe des Jahresabschlusses 2019 auf den 30. April verschoben wird.

Die Anteilsscheine der Deutschen Bank im Dax und die der Commerzbank im MDax legten jeweils mehr als 6,5 Prozent zu, nach Rekordtiefs am Vortag.  

Drastische Kurseinbrüche

Der US-Leitindex Dow Jones büßte am Donnerstag 9,99 Prozent ein und landete bei etwa 21.200 Punkten. Dies war der stärkste Verlust seit dem Börsencrash vom Oktober 1987. Fast ebenso starke Verluste erlitten der US-Technologie-Index Nasdaq und der Leitindex S&P 500. Bereits zu Wochenbeginn hatten die Börsen drastische Kurseinbrüche erlebt.

Die New Yorker Zentralbank hatte dann am Donnerstag vergeblich versucht, die Kursverluste zu stoppen. Sie kündigte an, noch in dieser Woche 1,5 Billionen Dollar in die Finanzmärkte zu pumpen. Das führte aber nur zu einer kurzzeitigen Erholung der Aktienkurse, danach ging die rasante Talfahrt weiter. Heftige Kurseinbrüche gab es auch in London und Paris. In der französischen Hauptstadt sank der Leitindex CAC um 12,28 Prozent auf 4044,26 Punkte. Das war ein deutlich größerer Verlust als am Tag der Terroranschläge in den USA vom 11. September 2001.

In Mailand lagen die Kursverluste bei 16,92 Prozent, in Madrid bei 14,06 Prozent. Anleger hatten am Donnerstag auf starke Signale der Europäischen Zentralbank (EZB) gehofft. Die Zentralbank kündigte schließlich an, sie werde die Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen erleichtern und ihre Anleihekäufe bis Jahresende um 120 Milliarden Euro aufstocken. An den Finanzmärkten sorgten diese Ankündigungen aber nicht für die erhoffte Erleichterung.

Tokio und Seoul tief im Minus

Nach dem Kursverfall an der Wall Street und in Europa hat sich die Abwärtsspirale auch an den Märkten in Japan und Südkorea fortgesetzt. An der Leitbörse in Tokio stürzte der Nikkei-Index für 225 führende Werte am Freitag um 1128,58 Punkte oder 6,1 Prozent ab und notierte zum Handelschluss bei 17.431,05 Punkten. Der Index rutschte zum ersten Mal seit November 2016 unter 18.000 Zähler.

Auch an der Seouler Aktienbörse prägten Panikverkäufe den Handel. Der Leitindex Kospi fiel um 62,89 Punkte oder 3,4 Prozent auf den Schlussstand von 1771,44. Kurz nach dem Start war der Handel für kurze Zeit ausgesetzt worden. Die Kurse waren zu dem Zeitpunkt um fast 6 Prozent zurückgegangen. (dpa/afp)